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Gesundheit und Soziales - Sozialwesen
 

 
 

09.10.2017

Entscheidung über die Befugnis zur Aufnahme oder Ausübung eines Berufs im Bereich Heilpädagogik bei ausländischem akademischem Bildungsabschluss und die Feststellung der Gleichwertigkeit

Befugnis zur Aufnahme oder Ausübung eines Berufs im Bereich Heilpädagogik

Die Heilpädagogik gehört in Deutschland zu den reglementierten Berufsfeldern. Ihre Ausübung ist in der Regel nur nach einer staatlichen Anerkennung, einer Art „Gütesiegel“, für dessen Erhalt unter anderem die berufspraktische Eignung nachzuweisen ist, erlaubt. Dieses Gütesiegel ist insbesondere in den vielfach hoheitsrechtlichen Aufgaben der Heilpädagogik und den daraus resultierenden Eingriffen in menschliche Biografien begründet. Die staatliche Anerkennung wird nach einem erfolgreich beendetem Studium in einem akkreditierten Studiengang der Heilpädagogik an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule verliehen. In Nordrhein-Westfalen wird sie von der Hochschule mit einer eigenen Urkunde ausgesprochen und berechtigt zum Führen der Berufsbezeichnung „staatlich anerkannte Heilpädagogin (FH)“ oder „staatlich anerkannter Heilpädagoge (FH)“. Gesetz über die staatliche Anerkennung von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Kindheitspädagoginnen und Kindheitspädagogen sowie Heilpädagoginnen und Heilpädagogen (Sozialberufe-Anerkennungsgesetz - SobAG)

Für Personen, die im Ausland ein Studium der Heilpädagogik abgeschlossen haben und beabsichtigen, in Nordrhein-Westfalen eine ihrer Berufsqualifikation entsprechende Erwerbstätigkeit auszuüben, gilt das Gesetz zur Feststellung der Gleichwertigkeit ausländischer Berufsqualifikationen in Nordrhein-Westfalen (BQFG NRW). Die Aufnahme oder Ausübung reglementierter Berufe bedarf einer entsprechenden Befugnis. Diese ist an den Besitz bestimmter Berufsqualifikationen gebunden.

Für die Erteilung der oben genannten Befugnis ist die Bezirksregierung zuständig,

  • in deren Regierungsbezirk der/die Antragsteller/in mit Wohnsitz gemeldet ist oder
  • bei fehlendem Wohnsitz in Nordrhein-Westfalen in deren Bezirk die zukünftige Arbeitsstätte liegt.

Antrag auf Erteilung der Befugnis zur Ausübung des Berufs

Das Verfahren wird auf Antrag eingeleitet. Der Antragsvordruck sowie ein zugehöriges Merkblatt stehen zum Download zur Verfügung. Im Rahmen der Entscheidung über die Befugnis zur Aufnahme oder Ausübung des Berufs Heilpädagogin bzw. Heilpädagoge erfolgt die Feststellung der Gleichwertigkeit ausländischer Berufsqualifikationen. Alle im Antrag gemachten Angaben sind durch geeignete Unterlagen nachzuweisen.

Eine persönliche Vorsprache bei Antragstellung ist regelmäßig nicht erforderlich.

Die staatliche Anerkennung als Heilpädagoge/Heilpädagogin wird in Form einer Urkunde erteilt.

Sie verfügen lediglich über einen ausländischen Schulabschluss im Berufsfeld der Heilpädagogik, den Sie anerkennen lassen möchten? In diesem Fall finden Sie Ihre Ansprechpersonen hier.

Feststellung der Gleichwertigkeit

Die Feststellung der Gleichwertigkeit setzt immer voraus, dass es sich bei der im Ausland erworbenen Ausbildung um eine mit der deutschen gleichartige Ausbildung handelt. Eine gleichartige  Ausbildung liegt vor, wenn

  • sie auf Hochschulniveau, d. h. mit einen akademischen Grad (Bachelor, Diplom) abschließt,
  • es sich um einen Abschluss der Heilpädagogik handelt, soweit in dem Land ein Studienabschluss der Heilpädagogik erworben werden kann.
  • Sofern in dem Ausbildungsland kein Studienabschluss der Heilpädagogik erworben werden kann, muss es sich um einen Abschluss mit sozial-/erziehungswissenschaftlichem Profil handeln. Weiterhin muss dieser Abschluss in dem entsprechenden Land für Tätigkeiten in Arbeitsfeldern der Heilpädagogik anerkannt sein.

Wenn die Gleichartigkeit festgestellt wird, erfolgt im zweiten Schritt die Prüfung, ob und in welchem Umfang wesentliche Unterschiede zu einem deutschen Abschluss der Heilpädagogik bestehen.

Die Unterschiede sind wesentlich, wenn die im Rahmen der ausländischen Berufsausbildung erworbenen nachgewiesenen Fähigkeiten und Kenntnisse

  • sich hinsichtlich des Inhalts oder aufgrund der Ausbildungsdauer wesentlich von den in deutschen Studiengängen der Heilpädagogik erworbenen unterscheiden und
  • die entsprechenden Fähigkeiten und Kenntnisse eine maßgebliche Voraussetzung für die Ausübung des Berufs des/der staatlich anerkannten Heilpädagogen/-in darstellen.

Bei der Feststellung der wesentlichen Unterschiede können sonstige Befähigungsnachweise oder nachgewiesene einschlägige Berufserfahrung berücksichtigt werden. Sollte die Gleichwertigkeit anhand der im Antragsverfahren vorgelegten Unterlagen nicht festgestellt werden können, ist die Absolvierung einer Ausgleichsmaßnahme erforderlich. Auf diese Weise können die festgestellten wesentlichen Unterschiede kompensiert werden.

Ausgleichsmaßnahmen sind

  • ein höchstens dreijähriger Anpassungslehrgang, der bewertet werden kann,
  • eine Eignungsprüfung, die ausschließlich die beruflichen Kenntnisse der Antragsteller/-innen betrifft.

Bei der Ausgestaltung der Ausgleichsmaßnahmen werden die vorhandenen Berufsqualifikationen der Antragstellerin oder des Antragstellers berücksichtigt. Der Inhalt der Ausgleichsmaßnahmen beschränkt sich auf die festgestellten wesentlichen Unterschiede.

Die Antragsteller/-innen haben die Wahl zwischen der Absolvierung eines Anpassungslehrgangs und dem Ablegen einer Eignungsprüfung.

Die Durchführung der Ausgleichsmaßnahmen obliegt zur Zeit der Katholischen Hochschule NRW in Münster.

Für die Absolvierung einer Ausgleichsmaßnahme sind Deutschkenntnisse auf Sprachniveau B2 erforderlich. Ein entsprechender Nachweis ist vor Beginn einer Ausgleichsmaßnahme der Hochschule gegenüber zu erbringen.

Gebühren und Auslagen

Für die Bearbeitung der Anträge können Gebühren bis zu einer Höhe von 650 Euro – abhängig vom erforderlichen Verwaltungsaufwand im Einzelfall (Tarifstelle 13 der Allgemeinen Verwaltungsgebührenordnung - AVerwGebO NRW) – sowie Auslagen zum Beispiel für externe Gutachten und die Teilnahme an Ausgleichsmaßnahmen erhoben werden. Darüber hinaus können bei den Antragstellerinnen und Antragstellern Kosten für Übersetzungen, Kopien und Beglaubigungen anfallen.