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Gesundheit und Soziales - Sozialwesen
 

 
 

04.09.2017

Entscheidung über die Befugnis zur Aufnahme oder Ausübung eines Berufs im Bereich Sozialpädagogik oder Soziale Arbeit bei ausländischem Bildungsabschluss und die Feststellung der Gleichwertigkeit

Befugnis zur Aufnahme oder Ausübung eines Berufs im Bereich Sozialpädagogik oder Soziale Arbeit

Berufe im Bereich der Sozialen Arbeit gehören in Deutschland zu den reglementierten Berufen. Ihre Ausübung ist in der Regel nur nach einer staatlichen Anerkennung, einer Art „Gütesiegel“, für dessen Erhalt unter anderem die berufspraktische Eignung nachzuweisen ist, erlaubt. Dieses Gütesiegel ist insbesondere in den vielfach hoheitsrechtlichen Aufgaben der Sozialen Arbeit und den daraus resultierenden Eingriffen in menschliche Biografien begründet. Die staatliche Anerkennung wird nach einem erfolgreich beendetem Studium in einem akkreditierten Studiengang der Sozialen Arbeit an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule verliehen. In Nordrhein-Westfalen wird sie von der Hochschule mit einer eigenen Urkunde ausgesprochen und berechtigt zum Führen der Berufsbezeichnung „staatlich anerkannte Sozialpädagogin“ oder „staatlich anerkannter Sozialpädagoge“, „staatlich anerkannte Sozialarbeiterin“ oder „staatlich anerkannter Sozialarbeiter“.

Für Personen, die im Ausland ein Studium der Sozialen Arbeit abgeschlossen haben und beabsichtigen, in Nordrhein-Westfalen eine ihrer Berufsqualifikation entsprechende Erwerbstätigkeit auszuüben, gilt das Gesetz zur Feststellung der Gleichwertigkeit ausländischer Berufsqualifikationen in Nordrhein-Westfalen (BQFG NRW). Da die Berufe im Bereich Sozialpädagogik und Soziale Arbeit reglementiert sind, d. h. deren Aufnahme oder Ausübung an den Besitz bestimmter Berufsqualifikationen gebunden sind, bedarf es dazu einer entsprechenden Befugnis.

Für die Erteilung der oben genannten Befugnis ist die Bezirksregierung zuständig,

  • in deren Regierungsbezirk der/die Antragsteller/in mit Wohnsitz gemeldet ist oder
  • bei fehlendem Wohnsitz in Nordrhein-Westfalen in deren Bezirk die zukünftige Arbeitsstätte liegt.

Antrag auf Erteilung der Befugnis zur Ausübung des Berufs

Das Verfahren wird auf Antrag eingeleitet. Der Antragsvordruck sowie ein zugehöriges Merkblatt stehen zum Download zur Verfügung. Im Rahmen der Entscheidung über die Befugnis zur Aufnahme oder Ausübung eines Berufs im Bereich Sozialpädagogik oder Soziale Arbeit erfolgt die Feststellung der Gleichwertigkeit ausländischer Berufsqualifikationen. Alle im Antrag gemachten Angaben sind durch geeignete Unterlagen nachzuweisen.

Eine persönliche Vorsprache bei Antragstellung ist regelmäßig nicht erforderlich.

Die Befugnis zur Aufnahme oder Ausübung eines Berufs in der Sozialen Arbeit wird in Form einer Urkunde erteilt.

Feststellung der Gleichwertigkeit

Die Feststellung der Gleichwertigkeit setzt immer voraus, dass es sich bei der im Ausland erworbenen Ausbildung um eine mit der deutschen gleichartige Ausbildung handelt. Eine gleichartige  Ausbildung liegt vor, wenn

  • sie auf Hochschulniveau, d. h. mit einen akademischen Grad (Bachelor, Diplom) abschließt,
  • es sich um einen Abschluss der Sozialen Arbeit handelt, soweit in dem Land ein Studienabschluss der Sozialen Arbeit erworben werden kann.
  • Sofern in dem Ausbildungsland kein Studienabschluss der Sozialen Arbeit erworben werden kann, muss es sich um einen Abschluss mit sozial-/erziehungswissenschaftlichem Profil handeln. Weiterhin muss dieser Abschluss in dem entsprechenden Land für Tätigkeiten in Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit anerkannt sein.

Wenn die Gleichartigkeit festgestellt wird, erfolgt im zweiten Schritt die Prüfung, ob und in welchem Umfang wesentliche Unterschiede zu einem deutschen Abschluss der Sozialen Arbeit bestehen.

Die Unterschiede sind wesentlich, wenn die im Rahmen der ausländischen Berufsausbildung erworbenen nachgewiesenen Fähigkeiten und Kenntnisse

  • sich hinsichtlich des Inhalts oder aufgrund der Ausbildungsdauer wesentlich von den in deutschen Studiengängen der Sozialen Arbeit erworbenen unterscheiden und
  • die entsprechenden Fähigkeiten und Kenntnisse eine maßgebliche Voraussetzung für die Ausübung des Berufs des/der staatlich anerkannten Sozialpädagogen/-in und des/der staatlich anerkannten Sozialarbeiters/-in darstellen.

Dabei werden folgende inhaltliche Kriterien zugrunde gelegt:

  • Kompetenz im Bereich Recht und Verwaltung,
  • Kompetenz in der Profession und der Wissenschaft der Sozialen Arbeit,
  • Kompetenz in Fragen der Einbindung und Nutzung bezugswissenschaftlicher Inhalte in der Sozialen Arbeit, insbesondere pädagogische, psychologische, soziologische Kenntnisse,
  • Kompetenz in Fragen der ethischen Grundlagen in der Sozialen Arbeit
  • Kompetenz, soziale Praxis reflektieren zu können. Erforderlich ist der Nachweis einer berufspraktischen Tätigkeit in einem Feld der Sozialen Arbeit im Umfang von mindestens 100 Tagen (z. B. Berufsanerkennungsjahr, Praxissemester).

Bei der Feststellung der wesentlichen Unterschiede können sonstige Befähigungsnachweise oder nachgewiesene einschlägige Berufserfahrung berücksichtigt werden. Sollte die Gleichwertigkeit anhand der im Antragsverfahren vorgelegten Unterlagen nicht festgestellt werden können, ist zunächst die Absolvierung einer Ausgleichsmaßnahme erforderlich. Auf diese Weise können die festgestellten wesentlichen Unterschiede kompensiert werden.

Ausgleichsmaßnahmen sind

  • ein höchstens dreijähriger Anpassungslehrgang, der bewertet werden kann,
  • eine Eignungsprüfung, die ausschließlich die beruflichen Kenntnisse der Antragsteller/-innen betrifft.

Bei der Ausgestaltung der Ausgleichsmaßnahmen werden die vorhandenen Berufsqualifikationen der Antragstellerin oder des Antragstellers berücksichtigt. Der Inhalt der Ausgleichsmaßnahmen beschränkt sich auf die festgestellten wesentlichen Unterschiede.

Die Antragsteller haben die Wahl zwischen der Absolvierung eines Anpassungslehrgangs und dem Ablegen einer Eignungsprüfung.

Die Durchführung der Ausgleichsmaßnahme ist an der Technischen Hochschule Köln oder den Fachhochschulen in Münster oder Bielefeld möglich. Die Antragsteller/-innen müssen sich im Laufe des Verfahrens für eine der vorgenannten Hochschulen entscheiden.

Für die Absolvierung einer Ausgleichsmaßnahme sind Deutschkenntnisse auf Sprachniveau B2 erforderlich. Ein entsprechender Nachweis ist vor Beginn einer Ausgleichsmaßnahme der jeweiligen Hochschule gegenüber zu erbringen.

Rechtsgrundlagen:

Gesetz über die staatliche Anerkennung von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Kindheitspädagoginnen und Kindheitspädagogen sowie Heilpädagoginnen und Heilpädagogen (Sozialberufe-Anerkennungsgesetz - SobAG) (18.05.2015)

Gesetz zur Feststellung der Gleichwertigkeit ausländischer Berufsqualifikationen in Nordrhein-Westfalen -BQFG NRW (28.05.2013)

Verordnung zur Regelung von Zuständigkeiten nach dem Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz NRW für das Berufsbild „staatlich anerkannte Sozialpädagogin oder staatlich anerkannter Sozialpädagoge, staatlich anerkannte Sozialarbeiterin oder staatlich anerkannter Sozialarbeiter oder staatlich anerkannte Sozialpädagogin und Sozialarbeiterin oder staatlich anerkannter Sozialpädagoge und Sozialarbeiter“ (16.07.2014)

Verordnung zur Änderung der Verordnung zur Regelung von Zuständigkeiten nach dem Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz NRW für das Berufsbild „staatlich anerkannte Sozialpädagogin oder staatlich anerkannter Sozialpädagoge, staatlich anerkannte Sozialarbeiterin oder staatlich anerkannter Sozialarbeiter oder staatlich anerkannte Sozialpädagogin und Sozialarbeiterin oder staatlich anerkannter Sozialpädagoge und Sozialarbeiter“ (29.07.2016)

Verordnung über die Durchführung von Ausgleichsmaßnahmen nach dem Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz NRW für das Berufsbild „staatlich anerkannte Sozialarbeiterin oder staatlich anerkannter Sozialarbeiter“ sowie „staatlich anerkannte Sozialpädagogin oder staatlich anerkannter Sozialpädagoge“ (08.01.2016)

Verordnung zur Änderung der Verordnung über die Durchführung von Ausgleichsmaßnahmen nach dem Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz NRW für das Berufsbild „staatlich anerkannte Sozialarbeiterin oder staatlich anerkannter Sozialarbeiter“ sowie „staatlich anerkannte Sozialpädagogin oder staatlich anerkannter Sozialpädagoge“ (19.10.2016)

Gebühren und Auslagen

Für die Bearbeitung der Anträge können Gebühren bis zu einer Höhe von 650 Euro – abhängig vom erforderlichen Verwaltungsaufwand im Einzelfall (Tarifstelle 13 der Allgemeinen Verwaltungsgebührenordnung - AVerwGebO NRW) – sowie Auslagen zum Beispiel für externe Gutachten und die Teilnahme an Ausgleichsmaßnahmen erhoben werden. Darüber hinaus können bei den Antragstellerinnen und Antragstellern Kosten für Übersetzungen, Kopien und Beglaubigungen anfallen.