brlogo
untitled
   
   
   
   
 

Mathe-Treff: Blick über den Zaun
Praktische Opdrachten - die niederländische Facharbeit
Susanne Hanslik (Essen)

Abschließende Bemerkungen

Zunächst erscheint es uns deutschen Kollegen sicher nicht einfach, solche Aufgaben in den Mathematikunterricht einzubinden, aber trösten wir uns, das ging den niederländischen Kollegen ganz genauso. Wer mag, lese dazu den Artikel von Kok und Hoogland in der niederländischen Zeitschrift zum Mathematikunterricht Euklides, der die Überschrift trägt: "Wie überlebe ich meinen ersten praktischen Auftrag?"(3) von 1999. Dieselbe Frage haben sich die Schüler gestellt, als es für sie hieß, jetzt auch in Mathematik praktische Aufträge zu bearbeiten. Aber die Ergebnisse sind recht positiv, den Schülern macht es Spaß, Mathematik ins tägliche Leben eingebunden zu erleben, oder die geschichtlichen Hintergründe von mathematischen Inhalten aufzusuchen.

Eigenverantwortliches Arbeiten und Lernen wird nicht nur in Deutschland von allen Seiten eingefordert und Mittel und Wege zur Erreichung dieser hochgesteckten Ziele ausführlich diskutiert. Ein Schritt auf dem Weg dorthin könnte es sein, "produktives Tun, kommunikatives Handeln und exploratives Handeln" [(4)S.61] bei den Schülern durch solche praktischen Aufträge zu befördern. Im Verlauf der Arbeit an den Aufträgen führen die Schüler mit dem Lehrer/ der Lehrerin i. Allg. zwei Gespräche, sodass, falls erforderlich, Hilfestellung z.B. bei der Materialsuche oder der Aufarbeitung des Herausgefundenen gegeben werden kann. Zum ersten dieser "Fortgangsgespräche" müssen die Schüler eine detaillierte Planung ihrer Vorgehensweise vorlegen. Wenn der "plan van aanpak" das okay des Lehrers erhält, kann die Arbeit weitergeführt werden. Über den gesamten Arbeitsverlauf wird ein Logbuch geführt, das z.B. angibt, wer aus der Gruppe welche Arbeit getan hat. Zudem ist das Logbuch eine in den Bewertungskriterien geforderte Leistung, die eine Reflexion des Arbeitsprozesses ermöglicht und abschließende Kommentare herausfordert.

Gespräche mit Schülern und Schülerinnen, die im vergangenen Schuljahr ihre ersten praktischen Aufträge im Fach Mathematik erfüllt hatten, ergaben, dass sich die zunächst große Unsicherheit, was überhaupt von ihnen erwartet würde, mit fortschreitender Arbeit legte und sie nach Beendigung und Präsentation ihrer Arbeit sehr zufrieden und stolz waren. "Sie arbeiten verstärkt selbständig und selbstorganisiert. Sie planen und gestalten, lösen Probleme und tun dies alles (....) oft in Kooperation mit anderen Schülerinnen und Schülern, damit sie durch das praktische Erleben und Ausgestalten von Gruppen- und Partnerarbeit auch und zugleich Teamfähigkeit und Teamgeist ausbilden, ohne die heutzutage in Großunternehmen und mittelständischen Betrieben fast nicht mehr läuft." [(4)S.60].

Diesem aus Lehrersicht eher pragmatischen Aspekt möchte ich die große Zufriedenheit gegenüberstellen, mit der die Schüler erkennen, im Fach Mathematik etwas geleistet zu haben, das auch den Mitschülern "etwas gebracht hat" und mit der Frage schließen: wäre so etwas nicht auch östlich der niederländischen Landesgrenze interessant?

Da ich selbst am Weiterbildungskolleg, also im Zweiten Bildungs-Weg unterrichte, bin ich an einer Diskussion auch und gerade in der Erwachsenenbildung interessiert.

Susanne Hanslik; E-mail:hanslik@t-online.de

Literatur

(1) Getal en Ruimte, vwo1, Houten 1998

(2) Getal en Ruimte, havo/vwo, handwijzer praktische opdrachten, Houten 1999

(3) Kok, Douwe und Hoogland, Kees: hoe overleef ik mijn eerste praktische opdracht?, in Euklides 75/2, S. 46 - 51.

(4) Wilfried Lohre (Hrsg.), Heinz Klippert: Auf dem Weg zu einer neuen Lernkultur, Gütersloh 1999

[Kapitel 4]