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Mathe-Treff Magazin: Mathe & Buch

Die neue Gauß-Biographie

Vor ein paar Wochen erschien eine neue Biographie über Carl Friedrich Gauß:

Hubert Manie
Gauß
Eine Biographie
Reinbek bei Hamburg 2008

 

Nach dem Roman von Daniel Kehlmann war es in der Tat an der Zeit, das Leben des vielleicht größten Mathematikers überhaupt ins rechte Licht zu setzen.

Bild von Gauss auf dem alten 10 DM-Schein

In Kehlmanns Roman wird eine Welt vermessen, in der es auf kunstlose Weise kafkaesker zugeht als bei Kafka: „Es wäre etwas übertrieben, zu sagen, sie ist die reinste Hölle, aber als Vorhof zu einer ganz banalen Hölle erscheint sie schon“, schreibt Winfried Scharlau in den Mitteilungen der DMV, der Deutschen Mathematiker-Vereinigung, 4/2005. Der historische Gauß und vermutlich auch der historische Alexander von Humboldt haben mit den Gestalten des Romans praktisch nichts zu tun. Am Rande sei zudem auch noch erwähnt, dass Kant nicht direkt als Schwachkopf in die Geistesgeschichte eingegangen ist, auch wenn Kehlmann dies suggeriert. Allen, die sich über diesen Roman geärgert haben, sei nun die neue Biographie von Hubert Mania empfohlen.

Cover des Buches Gauss - eine Biographie

Mania beschreibt Gauß´ Leben in Braunschweig und Göttingen, seine Schulzeit, sein Studium und seine fundamentalen Arbeiten als Mathematiker, als Astronom und Physiker. Da geht es um die Konstruktion des regelmäßigen 17-Ecks, um Bahnberechnungen von Ceres mit der dazu von Gauß neu entwickelten Methode der kleinsten Quadrate, um die Fehlerrechnung im Zusammenhang mit der Normalverteilung und um die Vermessung von Niedersachen durch Triangulation. Des weiteren beschreibt Hubert Mania Gauß´ Untersuchungen zum Elektromagnetismus in der Nachfolge von Lichtenberg und Faraday, seine Arbeit an den Anfangsgründen der Telegraphie und seine Vorarbeiten zu den Clark-Maxwellschen Gleichungen, also eine Forschung, für die jeder Handybesitzer dankbar sein müsste. Schließlich ist auch noch die Rede von seinen Überlegungen zur Raumkrümmung, die dann Einstein für seine allgemeine Relativitätstheorie benutzte. Das alles so, dass man es locker lesen kann.

Eine Biographie lesen heißt aber auch, einen Menschen in seiner Zeit und in seinem persönlichen Umfeld kennen zu lernen. Gauß war zweimal verheiratet und hatte in beiden Ehen Kinder. Mania beschreibt liebevoll das Alltagsleben, das tragische Schicksal seiner Frauen und den Werdegang seiner Kinder. Er geht auf die napoleonische Wende 1806 in Deutschland und auf den Protest der „Göttinger Sieben“ ein.   

Man lernt Gauß als Freund von Wolfgang Bolyai und dem Astronomen Wilhelm Olbers und als guten Bekannten von Alexander von Humboldt kennen. An einer Stelle jedoch scheint mir allerdings eine Lücke in der Biographie zu klaffen: Zwar erwähnt Manie Bernhard Riemann, wenn man aber bedenkt, welche grundlegende Bedeutung Riemann für die Weiterentwicklung der Mathematik hatte, ist eine halbe Seite deutlich zu wenig. 

Zum Schluss zwei Zitate, die ich besonders bemerkenswert finde.

Nach vierjähriger erfolgloser Arbeit an einem Problem der Zahlentheorie schreibt Gauß an Olbers: „Aber alles Brüten, alles Suchen ist umsonst gewesen, traurig haben ich jedesmal die Feder wieder niederlegen müssen. Endlich vor ein paar Tagen ist es gelungen - aber nicht meinem mühsamen Suchen, sondern bloß durch die Gnade Gottes möchte ich sagen. Wie der Blitz einschlägt, hat sich das Räthsel gelöst“, zitiert nach Mania, Seite 161.

Und das zweite Zitat: „Es ist wahr, mein Leben ist mit Vielem geschmückt worden, was die Welt für beneidenswerth hält. Aber glaube mir, lieber Bolyai, die herben Seiten des Lebens, wenigstens die meinigen, die sich wie der rothe Faden dadurch ziehen, und denen man im höheren Alter immer wehrloser gegenüber steht, werden nicht zum hundersten Theile aufgewogen von dem Erfreulichen“, s. o. Seite 304.

Lesen Sie die Biographie, sie wird Sie bereichern.

(nev)

 

 
 
Saturday, 18. November 2017 / 03:41:41