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Mathe-Treff: Magazin - Glosse
Versuch über die grundlegende Bedeutung des Nützlichen im Mathematikunterricht

Es muss einmal gesagt werden: In dieser schweren Zeit, in der jede ordentliche Lehrperson, jede pflichtbewusst Dienstaufsicht führende und evaluierende Dezernatsperson, jede kreativ arbeitende Ministerialperson, die ihr Amt, wie es sich gehört, in besonderem Maße ernst nehmen muss, in dieser Zeit also, in der alle diese Personen zusammen genommen zu recht mit dem Kopf unter dem Arm pisageschädigt herum laufen, gibt es doch einen winzigen Fortschritt zu berichten.

Ich behaupte, die Anzahl der Mathematikstunden, in denen die Nützlichkeit unseres Faches heraus gestellt wird (neue Rechtschreibung!), nimmt langsam, aber erkennbar zu. Es wird endlich mathematisiert und modelliert, Muedes findet seinen Stellenwert im Unterricht und Waches (=wahrhaft alternativ curricular Helfendes) den Weg in Kinderherzen. Denn das lässt sich nun wirklich nicht bestreiten, wie wir in den letzten zwanzig Jahren ja klar gesehen haben: Mit der Nützlichkeit in der Mathematik wird sozusagen nebenbei in gewissem Grade zumindest dem Problem der Motivation im Unterricht auch Rechnung getragen. Was nützlich ist, hat einen höheren Spaßfaktor.

Und was wird nicht alles modelliert! Wenn die großen Ferien zu Ende sind, setzen sich Tausende von jungen Leuten auf architektonisch bedeutende Weise mit dem Brückenbau auseinander. Und später, wenn dann die Zeit gekommen ist, gibt es im Unterricht nur noch Bakterien, wohlgemerkt, im Mathematikunterricht. Ganz zu schweigen von den Kleinen, für die Bagger Gräben ausheben, damit sie Proportionalität richtig herum lernen.

Natürlich, wir Mathematiker schauen auch etwas wehmütig auf die Müllhalde des Ausrangierten, wo Irrationales, vollständig Induziertes oder etwa Folgen liegen, die schließlich nachgewiesenermaßen zweifelsfrei immer näher wo hin laufen (neue Rechtschreibung!), ohne doch an zu kommen (Sie wissen schon).

Aber Leibniz irrte eben, wozu da noch Stetigkeit. Wir müssen den begeisterten Lesern von Euklid, ob sie nun Proklos, vorletzter Rektor der Akademie von Platon, die ja dann auch geschlossen wurde, Cicero, Napoleon, Kant und wie sie alle heißen, aus heutiger Sicht leider sagen, sie hätten ihre Zeit besser mit Nützlicherem verbringen können. Charles Peirce hatte eben Recht, und richtig sah G. H. Hardy sein dem mathematisch Schönen geweihtes Leben: Er entschuldigte sich dafür.

Bauen wir also Modelle für Häuser und Bevölkerungsentwicklungen, Dämme für Talsperren und stellen wir Nadel- um Obstbäume, um sie vor Wind zu schützen. Es geht schließlich um ein tragfähiges Konzept für die intellektuelle Zukunft unserer jungen Leute. Und Äpfel essen schließlich alle gern.

Herzlichst, Ihr Rhone