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Mathe-Treff: Magazin - Glosse
Die schöne Abituraufgabe

Was ist eigentlich eine schöne Abituraufgabe? Sie beginnt natürlich im Anforderungsbereich I, etwa mit der handwerklich zu verifizierenden Feststellung, dass drei Punkte ein gleichschenkliges Dreieck bilden, betrachtet dann eine Ebene, die bei näherem Hinsehen überraschenderweise Tangentialebene einer Kugel ist, die man vorher nicht so direkt im Blick hatte und endet - selbstverständlich vom Umfang her in der Größenordnung von höchstens 10% im Anforderungsbereich drei verhalten kreativ bei dem Bau einer Rinne, durch die die Kugel schließlich rollt. So haben wir auch noch den Anwendungsbezug, der die Relevanz der Mathematik bezeugt. Das ganze wird dann im Schnitt dargestellt und der Autor oder, um auch hier korrekt zu sein, die Autorin oder der Autor und die Fachberaterin oder der Fachberater empfinden ein wenig Glück. Sie erinnern sich an das Zitat von G. H. Hardy: Beauty is the first test.

Noch schöner wäre natürlich, wenn in dieser Aufgabe zudem noch gezeigt werden könnte, dass sich unsere Schülerinnen und Schüler im Unterricht erfolgreich mit Werten, Wertesystemen und Orientierungsmustern auseinander gesetzt haben und tragfähige Antworten auf die Fragen nach dem Sinn des eigenen Lebens gefunden haben. Ich erwähne dies nur mit Blick auf die Richtlinien, Seite XIII unten.

Ich frage mich, ob auch unsere Schülerinnen und Schüler im verständlichen Stress der Abiturarbeit diese Schönheit und innere Größe bemerken. Nehmen wir einmal an, das trifft auf ein paar zu, dann - mathematisch gedacht - trifft es auf fast alle nicht zu. Sie wären vielleicht mit vielen kleinen Aufgaben - natürlich aus allen drei Anforderunsbereichen - besser bedient und könnten trotzdem zeigen, was sie können und nicht können. Bei jeder Aufgabe starten sie neu mit neuem Glück und ...
Aber wir sehen, es geht nicht. Die schöne Kurvendiskussion mit anhängendem Integral via partieller Integration und der obwaltenden inneren Harmonie fände dann nicht mehr statt. Und damit fällt noch eine Säule deutscher Bildung. Mit Pisa haben wir schon genug Probleme.

rhone