brlogo
untitled
   
   
   
   
 

Lesetipp für die Sommerferien 2005

Für den Fall, dass Sie die Gödelschen Unvollständigkeitssätze nicht direkt parat haben - sie besagen grob gesagt: Ist ein formales System reich genug, so enthält es Aussagen, die sich innerhalb dieses Systems nicht beweisen lassen. Seltsam, nicht? Und so heißt denn auch einer der Protagonisten in der Kriminalroman

Die Pythagoras-Morde

von

Guillermo Martinez, 2005

Professor Seldom. Er ist Mathematiker am Merton-College in Oxford und hatte seinerzeit die wirklich naheliegende Idee, die besagte Gödelsche Unvollständigkeitsidee ins Kriminale zu wenden. Mit seinen Worten: „ Es gibt einen Unterschied zwischen der Wahrheit und dem Teil der Wahrheit, der sich beweisen lässt; ... natürlich wussten Richter, Gerichtsmediziner oder Archäologen das lange vor den Mathematikern.“ Mein Tipp für die Ferien ist dieser Kriminalroman, der so speziell ist, dass man ihn wirklich nicht Krimi nennen kann.

Ein argentinischer Mathematiker kommt als Postgraduate nach Oxford, um Logik zu studieren. Er wohnt bei Mrs. Eagleton zur Untermiete und lernt auch sofort ihre Enkelin Beth kennen. Kurze Zeit später wird Mrs. Eagleton ermordet. Verdächtig ist vor allem Beth, die ihre Großmutter hasst und daraus auch keinen Hehl macht. Seltsamerweise hat Professor Seldom, ein alter Bekannter von Mrs. Eagletons verstorbenen Kindern, durch ein Zeichen einen Hinweis auf den geplanten Mord erhalten. In Seldoms Buch über die mathematische Theorie der Morde geht es u. a. um Zeichenreihen und ihre Entschlüsselung. Zeichen und Reihen ziehen sich dann auch durch das ganze Buch. Wenn eine Folge mit 2, 4, 8, beginnt, dann könnte das nächste Zeichen auch ♣ lauten. Wer ist schon so intelligenztestverwirrt, dass er an 16 denkt?

Lesen Sie dieses seltsame Buch über Morde, Gödel, die Krankenschwester Lorna, Professor Seltam. Von Pythagoras, Inspektor Peterson und seiner hübschen Tochter, von Andrew Wiles, französischen Juristen mit speziellen Ideen und einer Menge anderer Leute ist natürlich auch die Rede. Sie werden Ihr Ferienvergnügen haben.

Rolf Neveling

 
 
Monday, 20. November 2017 / 01:29:02