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Lesetipp für die Sommerferien 2006

Hatten Sie wie ich in den letzten Wochen mit Lernstandserhebungen zu tun, haben Sie Probeklausuren, Vergleichsklausuren, Abiturklausuren und andere Klausuren korrigiert? Haben Sie Kernlehrpläne und Operatoren studiert und rüsten sich nun für Zentrales auf allen Ebenen? Dann könnte es passieren, dass Sie zur Zeit ganz besonders  des Blicks bedürfen, der auf das große Ganze der Mathematik gerichtet ist. Dazu unser Tipp für die Ferien.

Die Grammatik der Logik
Einführung in die Mathematik
von
Wolfgang Blum
München 2002
dtv

Wolfgang Blum, der bekannte Wissenschaftsjournalist der Zeitschriften Bild der Wissenschaft, Zeit und Geo führt auf lockere, reizvolle und zugleich angemessene Art in die Mathematik ein. Dies auf ca. 130 Seiten, die zu lesen auch am Strand Freude machen dürfte. Blum geht den zentralen Ideen und Begriffen der Mathematik nach, es kommt ihm also nicht auf die Einzelheiten ein, die das Schicksal unseres Berufs sind. Es geht ihm um die Zahlen, den Raum, die Bewegung, Unendlichkeit, Wahrscheinlichkeit und Optimierung. Er stellt die wichtige und zeitgemäße Frage, was ein Beweis ist und ob sich unser Verständnis von Beweisen vielleicht ändern müsste, etwa im Zusammenhang mit dem Vier-Farben-Satz.

Es geht los mit einer kurzgefassten Erzählung über Andrew Wiles und den großen Fermat-Satz, in der die mittlerweile berühmten Worte "Es war so unbeschreiblich schön - so einfach und so elegant" den Kern bilden. Blum geht auf Primzahlen und irrationale Zahlen ein. Er stellt die diesbezüglichen Beweise vor, die für unser Fach grundlegend sind und auf die wir alle stolz sind. Die Rede ist aber auch von den Gödelschen Unvollständigkeitssätzen und von platonischen Ideen versus neurologischen Grundlagen unseres Mathematikverständnisses.

Haben auch Sie manchmal das Gefühl, dass der unbestritten wesentliche Anwendungsbezug in unserem Fach zur Zeit oft unreflektiert überbetont wird und dann albern wirkt? Dann wird Ihnen das Zitat von Gerhard Frey, einem der vielen Väter des Fermat-Satzes, gefallen: "Das Hauptziel ist nicht Anwendung, sondern die Schaffung von Kultur". Ursprünglich hatte Schule ja einmal etwas mit Muße zu tun.

Ist das Buch auch für Schülerinnen und Schüler geschrieben? Meine Antwort lautet "ja". Wer auch immer sich für Mathematik interessiert,  sollte über den Rand der Schule hinaussehen. Mich hat das Buch wieder an das erinnert, was mir an der Mathematik wesentlich ist. Vielleicht geht es Ihnen auch so.

Rolf Neveling

 
 
Sunday, 19. November 2017 / 20:53:32