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Mathe-Treff Magazin: Mathe und Leute

Hans Jürgen Elschenbroich wurde sechzig

Jürgen ElschenbroichMT: Hans-Jürgen Elschenbroich hat vor kurzem seinen sechzigsten Geburtstag gefeiert: herzlichen Glückwunsch nachträglich.

Wenn man Ihren Namen in Google eingibt, sieht man, in welchen Maße Sie sich in Ihrer beruflichen Tätigkeit für den Mathematikunterricht engagiert haben und natürlich auch weiter engagieren. Um nur einige Etappen zu nennen: Mathematiklehrer, Fachberater, Lehrerfortbildner, Fachleiter, Experte für Medien im MU in der Medienberatung NRW in Düsseldorf, Fachbeisitzer für Mathematik im Bundesvorstand von MNU. Sie betreiben eine Webseite Mathe-Werkstatt und haben mit elektronischen Arbeitsblättern die didaktischen Möglichkeiten dynamischer Geometrie erweitert. Und Sie haben zum MU Vieles veröffentlicht.
Welche Ihrer Tätigkeiten sehen Sie aus heutiger Sicht als die wichtigste an?

J. Elschenbroich: Puh. Was für eine Frage! Da möchte ich jetzt nicht einige der Aktivitäten abwerten. Letztlich gehören alle zusammen und ergeben wie in einem Puzzle ein Ganzes. Die Basis von allen war jedenfalls die Tätigkeit als Mathematiklehrer. Ohne die wären alle anderen Tätigkeiten nicht möglich gewesen oder inhaltlich nicht bemerkenswert.

MT: Vor mehr als einem Jahrzehnt mittlerweile waren Sie einer der Väter des Mathe-Treffs. Wie muss man sich den Anfang des Mathe-Treffs vorstellen?

J. Elschenbroich: Der Düsseldorfer Regierungspräsident, Herr Büssow, hatte früh die Bedeutung des Internet allgemein erkannt und wollte darüber hinaus Impulse für den Mathematikunterricht setzen. Sein Stichwort war Mathe-Chat. Meine persönliche Website Mathe-Werkstatt war damals (1997) eine der allerersten Mathematik-Seiten im Internet. So kam es, dass ich mitten in einer Unterrichtsstunde zu einem Telefonat mit dem damaligen Dezernenten van Briel herausgerufen wurde und gefragt wurde, ob ich ein Konzept für eine Mathe-Seite bei der Bezirksregierung hätte. Natürlich sofort, weil wenige Stunden später die Besprechung beim Regierungspräsidenten war …
Damit fing es an. Daraufhin habe ich noch am Vormittag ad hoc eine Seite zusammengeschrieben und rübergeschickt. Es gab dann ‚grünes Licht’ und einige Tage später ein erstes Treffen mit Herrn van Briel und dem Webmaster der Bezirksregierung, Herrn Dickhoff. Da wurden ein paar Grundgedanken festgelegt und wir suchten weitere personelle Unterstützung für einen Web-Admin des Mathe-Treffs. Zum einen sah ich mich mehr in der konzeptionellen Aufgabe, zum anderen wäre ich im Admin-Bereich auch nicht hinreichend fit gewesen. Die Unterstützung fand ich ziemlich schnell bei Herrn Ralph-Erich Hildebrandt, den ich aus MNU-Aktivitäten gut kannte. Als erste Schwerpunkte des Mathe-Treffs kristallisierten sich heraus: Ein Mathe-Chat und Knobelaufgaben für Schüler. Für letzteres brauchten wir natürlich weitere Unterstützung und es kamen die Kollegen Michael Rüsing und Hans Koenen hinzu, die sich den Knobelaufgaben widmeten. In kurzer Zeit erlang der Mathe-Treff große Beachtung und das Aufgabenspektrum wuchs rasant.
Der Bereich Mathe-Chat wurde dann durch Frau Gaby Heintz verstärkt, weiter kam ein Bereich ‚Blick über den Zaun’ hinzu, der von Bernd Westermann getragen wurde. Wir hatten (meines Wissens erstmalig in Deutschland) den Gedanken eines Online-Team-Wettbewerbs entwickelt, der unter dem Namen ‚Knobeln statt gammeln’ in der letzten Schulwoche vor den Sommerferien stattfand und es wurde ein Forum eingerichtet.

MT: Wo lagen die Schwierigkeiten bei der Gründung des Mathetreffs?

J. Elschenbroich: Nun, zum einen waren die Aufgaben viel größer als die Ressourcen und wir hatten von unserer Begeisterung mitgerissen kräftig Selbstausbeutung bis zur Erschöpfung betrieben. Technisch knifflig war beispielsweise der Mathe-Chat, weil wir nicht nur die Flüchtigkeit eines normalen Chats wollten, sondern auch die Struktur und Nachhaltigkeit eines Forums. So etwas als Hybrid-Software gab es damals nicht und musste aus eigenen Kräften entwickelt werden! Zum anderen kannten wir als Lehrer-Team nicht die Strukturen einer Behörde wie die Bezirksregierung und konnten uns auch manchmal nur schwer daran gewöhnen. Aber insgesamt war es eine unglaublich tolle Zeit!

MT: Wir denken über die Veränderung und Modernisierung des Mathetreffs nach und sind natürlich für Anregungen offen.

J. Elschenbroich: Ich denke, das wird die Mathe-Treff-Redaktion am besten wissen, Sie muss es ja auch umsetzen. Vielleicht nur dies: Sich auf die Nutzer orientieren, aktiv und offen sein. Die eigene Dynamik erhalten und sichtbar machen, die eigenen Stärken deutlich machen und Kanäle zur Rückkopplung schaffen.
Das ist natürlich leicht gesagt. Aber schwierig umsetzen, wenn man einen so heterogenen Adressatenkreis von Grundschülern über die Lehrer bis zur interessierten Öffentlichkeit hat und auch noch in eine Behörde eingebunden ist. Ich wünsche dem Mathe-Treff, der ja auch vor nicht allzu langer einen runden Geburtstag hatte, weiter viel Erfolg!

MT: Eine ganz andere Frage: Was bedeutet Ihnen persönlich Mathematik?

J. Elschenbroich: Mathematik ist sehr vielfältig. Klar strukturiert, schön, amüsant, anwendungsrelavant, allgemeinbildend …
Wie ein Brillant, der viele funkelnde Facetten hat. Aber man sieht nur was, wenn man aus dem richtigen Blickwinkel darauf schaut.

MT: Haben Sie für die Zukunft auch noch Pläne, die Mathematik betreffen?

J. Elschenbroich: Ich bin seit langem im Bereich der dynamischen Geometrie aktiv und werde dazu auch weiter veröffentlichen und Fortbildungen durchführen.

MT: Gibt es so etwas wie eine Botschaft für Mathematiklehrerinnen und Lehrer?

J. Elschenbroich: In einem Satz? Die eigene Aktivität der Schüler erhöhen! Wir haben in Mathematik ein ähnliches Phänomen wie in den Fremdsprachen: die Lehrer tun und reden zuviel und die Schüler tun zuwenig. Es nutzt wenig, wenn ein Lehrer etwas formal hundertprozentig Korrektes an die Tafel geschrieben hat und das bei den Schülern nicht ankommt. Entscheidend ist nicht, was der Lehrer ‚gemacht’ hat, sondern was die Schüler gelernt haben. Und das weiß man aus der Lernforschung und Hirnforschung: Der Wissenstransfer vom Lehrenden zum Lernenden funktioniert nicht nach dem Nürnberger-Trichter-Modell. Lernen kann jede/jeder nur selber! Und dazu brauchen Schüler Zeit und Gelegenheit. Die Aufgabe der Lehrer besteht aus heutiger Sicht nicht darin, alles besser zu wissen, sondern genügend und vielfältige Lerngelegenheiten zu schaffen. Dabei spielen die neuen Medien eine zunehmend wichtige Rolle.

MT: Welche Interessen haben Sie über die Mathematik hinaus?

J. Elschenbroich: Reisen, Lesen, Joggen, mit Freunden zusammen sein und die schönen Dinge des Lebens genießen.

MT: Für die Zukunft wünscht Ihnen der MT alles Gute, weiter erfolgreiche Arbeit und Gesundheit. Vielen Dank.

(nev)

 

 

 
 
Saturday, 25. November 2017 / 12:24:26