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Mathe-Treff: Magazin - Mathe & Leute
Mit Günter Schmidt auf neuen Wegen in die Mathematik

Günter Schmidt hat an der Universität des Saarlandes Mathematik und Physik studiert. Er arbeitet seit 1968 als Lehrer am Gymnasium in Rheinland-Pfalz. Wie er selber schreibt, hat er sich von Anfang an in die Weiterentwicklung des Mathematikunterrichts eingemischt, und das auf allen Ebenen: "Lehrplanarbeit, Mitarbeit an den EPA, Fachleiter für Mathematik am Studienseminar seit 1975, ebenfalls seit 1975 Lehrauftrag für Didaktik an der Uni Mainz (seit 2004 als Honorarprofessor), aktive Mitgestaltung von Lehrerfortbildung in regionalen und überregionalen Gremien, Mitherausgeber von MU, und seit 30 Jahren Mitarbeit an  Lehrbüchern und sonstigen Lernmaterialien". 
1998 erhielt er den Archimedes-Preis der MNU. 
Günter Schmidt über Günter Schmid: "Ich lebe gerne, ganz besonders im Kreise meiner Familie (Ehefrau, eine Tochter, drei Söhne) am Rande des schönen Hunsrücks (Stromberg) an der Schnittstelle von attraktiven Weinbaugebieten. Mein intensivstes Hobby ist mein Beruf, daran begeistert mich in erster Linie der Umgang und die Zusammenarbeit mit Menschen, daneben auch das ständige Dazulernen sowohl in den wissenschaftlichen Grundlagen als auch in den vielfältigen praktischen Erfahrungen. Besonders erfreulich finde ich, dass ich die meisten meiner sonstigen Interessen mit meinen beruflichen Interessen verbinden kann (z.B. das Interesse an der Architektur, die Freude am Schreiben und an Vorträgen, die gelebte Freundschaft mit vielen liebenswerten Menschen, das Reisen u.ä.). Es gelingt mir bisher, auch in Phasen großer Anstrengungsdichte (z.B. bei der Arbeit an Neue Wege) nicht auf den geliebten Sport (Basketball, Tennis, Schwimmen, Fahrradfahren) zu verzichten und auch dies in meine berufliche Tätigkeit einzubetten. Auch die Musik habe ich lieben gelernt, zumal alle in meiner Familie dies aktiv ausüben (mein ältester Sohn ist vollberuflich "Rockmusiker") und ich damit die genussvolle Tätigkeit des Zuhörens und Bewunderns übernehmen kann."

MT: Sehr geehrter Herr Prof. Schmidt, gerade ist der Band 10 von "Neue Wege" erschienen. Ich vermute, Sie sind erleichtert, nun so weit zu sein. Warum heißt die Reihe "Neue Wege"?

G. Schmidt: Ihre Vermutung trifft zu, schließlich war es ein mutiges und anspruchsvolles Unternehmen, ein in Konzeption und Gestaltung wirklich neuen Ansatz eines Schulbuchs für den Mathematikunterricht am Gymnasium zu realisieren. Unsere Absicht, den Lernenden und Lehrenden damit neue  Wege zu einer zeitgemäßen Unterrichts- und Anstrengungskultur zu öffnen und zu erleichtern, ist nach den bisherigen Rückmeldungen und der Akzeptanz offensichtlich gelungen. Dies ist auch eine schöne Bestätigung für den gewählten Titel der Reihe.

MT: Es fällt auf, dass das Werk relativ lange Textpassagen enthält. Warum?

G. Schmidt: Das Lehrwerk soll Schülerinnen und Schüler zum aktiven Betreiben von Mathematik und damit zum Erwerb der wichtigen inhaltlichen und methodischen Kompetenzen anregen, wie sie in den Standards treffend festgehalten sind. Hierzu bedarf es neben den bewährten Übungsaufgaben einer Vielfalt von unterschiedlichen Aufgaben zum Modellieren, zum Problemlösen, zum Darstellen unterschiedlicher Lösungswege und Kommunizieren usw. Damit werden die Aufgaben auch in der Darstellung vielfältiger und lebensbezogener und erfordern damit auch ansprechende Textbezüge und mehr inhaltsbezogene Bilder und Graphiken. Übrigens: Nach dem ersten "Überraschungsschock" lesen Schülerinnen und Schüler und auch deren Eltern freiwillig mit viel Interesse und Begeisterung in diesem Mathematikbuch, auch dies ist ein erfreuliches Erlebnis.

 MT: Wie sollte eine Lehrerin oder ein Lehrer idealer Weise mit dem Buch im Unterricht arbeiten?

G. Schmidt: "Ganz einfach": Sich auf die im Buch eingeschlagenen neuen Wege einlassen und die Schülerinnen und Schüler möglichst selbständig mit dem Buch arbeiten lassen. Wir haben aus diesem Grund auch den Untertitel "Arbeitsbuch" absichtsvoll gewählt. Nach einer Eingewöhnungsphase wird die Arbeit im Mathematikunterricht damit tatsächlich leichter und vor allem freudvoller.

MT: Zwischendurch gibt es immer wieder die "Mathekiste". Welche Intention steckt dahinter?

G. Schmidt: Die Mathekiste beinhaltet kleine Aufgaben aus unterschiedlichen Themenbereichen des zurückliegenden Unterrichts. Sie dient dem Aufgreifen und Sichern von Basiswissen und Basisfertigkeiten und stützt damit das kumulative Lernen. Die Schülerinnen und Schüler nehmen diese kleine "Standortbestimmung" mit viel Freude und Anstrengungsbereitschaft auf.

MT: Gibt es ein Wiederholungskonzept in dem Werk?

G. Schmidt: Die beste und wirkungsvollste Wiederholung geschieht beim selbstregulierten und entdeckenden Lernen. Die Gesamtkonzeption des Buches ist darauf abgestimmt. Darüber hinaus werden für die Lernenden immer wieder bestimmte Leitideen und grundlegende Problemlösestrategien herausgestellt und an passenden Aufgaben aufgegriffen. Ein weiterer Wiederholungseffekt tritt durch die herausgeforderten eigenen Zusammenfassungen oder auch die Eigen-Produktion von typischen Aufgaben/Situationen ein. Das Basiswissen wird darüber hinaus durch den "check up" am Ende jedes Kapitels und die schon erwähnten Mathekisten gefördert. Zum individualisierten und eigenständigen Training von Basisfertigkeiten liegen attraktive Übungsmaterialien in der ergänzenden Lernumgebung zu Neue Wege vor.

MT: Sollten Schülerinnen und Schüler heutzutage in der Sek. I einen graphischen Taschenrechner bei ihrer Arbeit zur Verfügung haben? Wenn ja, warum?

G. Schmidt: Ja. Die Vielfalt von Lösungsmethoden und vor allem das funktionale Denken wird damit entscheidend gefördert. Wir bieten z.B. in dem Buch mit dem immer wiederkehrenden "Funktionenlabor" oder auch der Parameterdarstellung viele Anregungen zum eigenständigen Entdecken über "Experimentieren und Nachdenken" an. Auch beim Modellieren spielt das Zusammenwirken von Situation - Tabelle - Graph - Term eine wichtige Rolle.

MT: In Ihrem Buch stecken viele, viele Jahre Erfahrung  mit Mathematikunterricht. Ich denke, man merkt das, wenn man in das Werk schaut. Was ist das Wesentliche im Mathematikunterricht? Bitte nur eine ganz kurze Antwort. Darüber kann man natürlich Bücher schreiben.

G. Schmidt: Schön, dass man das merkt. Mathematik soll und kann mit Freude an der Anstrengung betrieben werden. Dazu gehört Zutrauen in eigenständiges Experimentieren, Denken und Handeln, dies gewinnt man durch individuelle Erfolge beim Bewältigen angemessener Herausforderungen. Ganz kurz: "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es" .

MT: Vielen Dank für das Interview.

(nev)

 
 
Saturday, 25. November 2017 / 08:53:14