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Mathe-Treff: Magazin - Mathe & Leute
Die Mathematikerin und Lektorin Ulrike Schmickler-Hirzebruch

Wenn Sie das Foto von Frau Schickler-Hirzebruch sehen, denken Sie sicher das gleiche wie die Redaktion des MT. Sie trinkt auf das Wohl der Mathematik. Und dieses Wohl liegt uns auch am Herzen. Heutzutage studieren zu wenige junge Leute Mathematik. Wenn Sie Mathematikerin oder Mathematiker sind, lehnen Sie sich gemütlich zurück und lesen Sie unser kleines Interview.

Wenn nicht, lesen Sie es genau und gründlich. Dann überlegen Sie bitte, ob es nicht gerade für Sie eine Idee wäre, dieses wunderschöne Fach Mathematik zu studieren. Die Mathematical Community braucht vielleicht Sie gerade ganz besonders.

MT: Sehr geehrte Frau Schmickler-Hirzebruch, Sie betreuen als Dipl. Mathematikerin und Lektorin  im Vieweg-Verlag, einem großen Wissenschaftsverlag, das Mathematik-Programm. Worin besteht Ihre Arbeit im wesentlichen?

U. Schmickler-H.: Meine Aufgabe ist, im Verlag gute neue Mathematik-Lehrbücher für Studierende zu planen, d.h. Autoren zu finden, mit Ihnen das Konzept zu besprechen und das entstehende Buch im Lektorat und mit Unterstützung des Produktions- und Marketing-Teams in jeder Phase zu begleiten. Daneben habe ich als Programmleiterin Wissenschaft auch Aufgaben als "Zielgruppenmanagerin".

MT: Ich bin sicher, dass es gar nicht möglich ist, als Lektorin alles zu verstehen, was der Verlag in seinem umfangreichen Mathematik-Programm veröffentlicht. Ist das ein Problem für Sie? Wie gehen Sie damit um?

U. Schmickler-H.: Mit der Zeit hat man ein sehr gutes Netzwerk von Kontakten. Bei der Begutachtung von Projekten und Manuskripten beraten mich viele Mathematiker und Professoren.

MT: Welche wissenschaftlichen Werke haben Sie in der letzten Zeit bearbeitet?

U. Schmickler-H.: Das letzte Buch, das ich gerade heute in die Herstellung gegeben habe, heißt "Finanzmathematik für Einsteiger". Es ist für Studierende, Lehrer und Schüler gedacht. Ich finde es wichtig, dass Lehrbücher verständlich sind, so erscheint in meinem Programm im nächsten Monat auch ein neues Analysis Buch für den sanften Wechsel von der Schule zur Uni.

MT: Sie haben in der letzten Zeit ein ganz besonders interessantes Buch herausgebracht: den Berufs- und Karriere-Planer Mathematik 2003.
Die Einleitungen schrieben Frau Bulmahn, die Bundesbildungsministerin, und Prof. Gritzmann, der Präsident der Deutschen Mathematiker-Vereinigung. Ein besseres Geleit für ein Mathematikbuch kann es wohl kaum geben. Wir haben in ihm ein wenig geblättert und fanden es sehr informativ. Wer soll dieses Buch studieren und warum?

U. Schmickler-H.: Das Buch zeigt, was Mathematik ausmacht und dass Mathematik sehr nützlich ist. Es ist eine Werbung für das Fach Mathematik. Viele Mathematiker(innen) aus Hochschule und Praxis haben mitgemacht und es gibt auch Beiträge von einem Mathematiklehrer und von Journalisten. Junge Menschen sollen für die Mathematik und das Studium motiviert werden. Das Buch ist ein Studienführer und Ratgeber für die Berufswahl. Mathematiker werden in allen Bereichen der Wirtschaft und Technik gebraucht.
Es gibt sehr viele interessante Berufe. Mathematik hilft, technische Prozesse zu verstehen und zu optimieren. Ich finde, dies ist eine wichtige 'message' für Schüler. Es lohnt sich, Mathe zu lernen und durchzuhalten, das bringt einem später was.

MT: Was fasziniert Sie an der Mathematik am meisten?

U. Schmickler-H.: Die Schönheit und die Klarheit. Mathematik war für mich immer "die Königin der Wissenschaften".
Was mich heute besonders beeindruckt, ist in dem Buch "Alles Mathematik" von Aigner/Behrends gut beschrieben: Mathematik verkörpert wie keine andere Wissenschaft "zwei Seiten einer Medaille": Einmal ist sie die reinste Wissenschaft - Denken als Kunst - , und andererseits ist sie durch eine Vielzahl von Anwendungen in allen Lebensbereichen gegenwärtig.

MT: Warum studieren heute so wenige junge Leute Mathematik?

U. Schmickler-H.: Weil Mathematik als zu schwer und zu abgehoben gilt. Die Mathematik hat auch noch nicht die Stellung in unserer Gesellschaft, die ihr gebührt. Viele Menschen haben ein Vorurteil gegenüber der Mathematik. Manchmal ist man  sogar stolz: "In Mathe war ich immer schlecht!" (so lautet der Titel eines Buches von Albrecht Beutelspacher). Aber das ist schon etwas besser geworden.

MT: Eine neugierige Frage, die Sie bitte verzeihen mögen. Welchen Einfluss hatte Ihr Vater, der Mathematiker Friedrich Hirzebruch aus Bonn, auf Ihre Berufswahl?

U. Schmickler-H.: Mein Vater hatte einen gewissen Einfluss. Seine Begeisterung für das Fach hat meine Neigung unterstützt. Ich glaube ich habe Mathematik studiert, weil ich fand, dass man damit andere beeindrucken kann. Und ich kannte schon viele Mathematiker seit meiner Kindheit. Das hilft mir in meinem Beruf.

MT: Und eine letzte, vielleicht ungewöhnliche Frage: Lesen Sie manchmal Gedichte? Welche Rolle spielt Kunst für Sie?

U. Schmickler-H.: Gedichte lese ich weniger, sondern lieber Romane. Ich muss  gestehen, dass ich im Moment am liebsten gute (literarische )Krimis lese. Wenn ich nicht Lektorin für Mathematik wäre, würde ich am liebsten Kriminalromaneherausbringen. Irgendwie gibt es da auch eine Verbindung zur Mathematik.

MT: Vielen Dank.