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Mathe-Treff: Magazin - Mathe & Leute
Heiner Stauff und stauff.de

Ein Kollege fragte mich, kennst Du eigentlich Stauff.de? Ich kannte nicht, lernte aber noch am gleichen Abend die Homepage von Heiner Stauff kennen. Ich war fasziniert von den vielen Dingen, die ich da fand und die sich mit Mathematik, den Ansichten über Mathematik, dem Fach Deutsch und der Welt an sich befassten. Vor allem fand ich aber eine Sammlung kleiner Mathematikprogramme, die offensichtlich von einen Praktiker stammen. Das Sekantenprogramm habe ich dann sofort für meinen Grundkurs in der JS 11 ausgeschlachtet.

Wenn Sie www.stauff.de noch nicht kennen, dann wird es Zeit, oder Sie haben es aufgegeben, sich für Mathematik zu interessieren. Das kann aber natürlich nicht sein, weil Sie ja gerade den MatheTreff besuchen. Übrigens: Gott sei Dank.

Heiner Stauff studierte in Münster, arbeitete als Assistent in Hamburg und ist nun Lehrer in Ahlen.

MT: Wie kommt man eigentlich auf die Idee, eine so wunderbare Homepage www.stauff.de zu machen? Mit den Fächern Mathematik und Deutsch müssten Sie doch durchaus ausgelastet sein?

H. Stauff: Ausgelastet bin ich allemal. Aber wenn man Schülerinnen aufmerksam zuhört und realistisch-kritisch gegenüber dem eigenen Unterricht ist, sammeln sich im Laufe der Jahre unendlich viele Ideen an. Meine Internetseite www.stauff.de und insbesondere mathe.stauff.de ist nicht in kurzer Zeit, sondern in insgesamt 17 Jahren entstanden, und ich schreibe auch keineswegs (wie viele denken) rasend schnell, sondern die meisten Texte liegen in der hundertsten Version vor - immer wieder an der Unterrichtswirklichkeit korrigiert. Insbesondere "kämpfe" ich mit meiner Internetseite aber für eine völlig veränderte Schulmathematik. Man muss dringend Anschaulichkeit, "mathematische Denkweisen", kulturelle Einbindung der Mathematik in ihr historisches Umfeld usw. ändern - und den Lehrerinnen sehr viel mehr Freiräume geben.

MT: Eines der wichtigsten Programme in der „Bewegten Mathematik“ scheint mir die Herleitung der Ableitung zu sein (sekanten.exe). Wie sollte man es im Unterricht einsetzen?

H. Stauff: Für all meine Programme gilt, was ich auch auf der entsprechenden Internetseite geschrieben habe: "Die Programme dienen der Veranschaulichung von bereits vorher Erarbeitetem, d.h. sie scheinen mir nicht geeignet, als Einstieg in eine Unterrichtseinheit (erste Motivation), zum selbstständigen (Vor-)Lernen von Schülerinnen. Wenn meine Programme zu früh eingesetzt werden, verbergen sie (auch programmtechnisch) den Entdeckungsprozess hinter dem Ergebnis und würgen selbstentdeckendes Lernen vorzeitig durch allzu große Suggestivität ab."

Das Programm sekanten.exe müsste zudem dringend in dem Sinne ausgearbeitet werden, dass (mittels eines Parsers) beliebige Funktionsterme eingebbar wären. Aber ich habe halt nie richtiges Programmieren gelernt. Überhaupt werde ich immer skeptischer gegenüber dem Einsatz von Computerprogrammen und habe deshalb auch seit Langem nichts Neues programmiert, sondern mich auf meiner Internetseite auf Inhalte verlegt. Die besten Veranschaulichungen sind ohne Computer möglich.

MT: Haben Schüler das Design Ihrer Programme mitgestaltet?

H. Stauff: Die Schülerinnen haben die Programme höchstens indirekt mitgestaltet: Wenn sich im Unterricht Probleme zeigten, habe ich entsprechend nachgebessert.

MT: Welches ist Ihr Lieblingsprogramm in der Bewegten Mathematik und warum?

H. Stauff: Mein Lieblingsprogramm ist nach wie vor katheten.exe, also der Beweis des Kathetensatzes (auch wenn er auf modernen Computern viel zu schnell läuft); dieser Beweis über Scherung/Drehung/Scherung ist nicht nur sehr ästhetisch, sondern auch allemal anschaulicher als die sonst üblichen Zerlegungen.

MT: Ich kann es mir kaum vorstellen, aber haben Sie neben der Mathematik und der Germanistik noch weitere Hobbys? Sie schreiben ja, dass Sie unter anderem eben Deutsch- und Mathelehrer sind. Was lesen Sie, wenn Sie keine Klausuren lesen?

H. Stauff: "unter anderem" bedeutet: Man ist ja nicht nur Lehrer, sondern - kaum zu glauben - auch Mensch. Neben Mathematik und Germanistik habe ich natürlich vor allem meine Familie und Freunde. In meiner Freizeit liege ich am liebsten am Meer und radle als echter Münsteraner gern. Ansonsten sind Beruf und Hobby bei mir allerdings kaum zu trennen. Ich lese viel "richtige" Literatur (Gott sei Dank gibt es gegen all den grassierenden Schwachsinn noch - nicht mein Verdienst - umfassende Bildung!), zur Entspannung alles über Entdecker und Seefahrer, ansonsten aber Bücher über die kulturellen Hintergründe von Mathematik und Naturwissenschaften bzw. überhaupt dringend gebotene Querverbindungen zwischen den "zwei Kulturen" Geistes- und Naturwissenschaften. Und solche Bücher gehören unbedingt mitten in den Unterricht! - Überhaupt sind (allzu seltene) gut ausgestattete und ansprechende Schulbibliotheken wichtiger als alle „Mediotheken“, worunter meistens ja doch nur Computerräume verstanden werden.

MT: Sie haben mit Ihrer Homepage eine gute Tat getan. Dafür und für dieses Interview möchten wir Ihnen danken.

nev