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Mathe-Treff: Magazin - Mathe & Leute
Hans-Georg Weigand über Neue Technologien im Mathematikunterricht

Hans-Georg Weigand ist einer der ausgewiesenen Experten, wenn es um die Anwendung neuerer Technologien im Mathematikunterricht geht. Er befasst sich mit dieser Thematik seit vielen Jahren und ist einer der Leiter des Arbeitskreises ´Mathematikunterricht und Informatik´ in der GDM, der Gesellschaft für Didaktik der Mathematik. Nach einem Start als Lehrer arbeitete er einige Jahre an der Universität Würzburg, dann als Hochschullehrer zuerst in Oldenburg, dann in Gießen und nun wieder in Würzburg. Wir nehmen das Erscheinen eines Buches, das Hans-Georg Weigand und Thomas Weth geschrieben haben, als Anlass für ein kurzes Interview.

MT: Sehr geehrter Herr Weigand, Sie haben vor kurzer Zeit zusammen mit Thomas Weth von der Universität Erlangen-Nürnberg ein Buch zur Verwendung neuerer Technologien im Mathematikunterricht veröffentlicht:
"Computer im Mathematikunterricht,
  neue Wege zu alten Zielen"
Heidelberg, Berlin, 2002.
Das Buch hat ca. 270 Seiten und befasst sich mit sehr vielen Aspekten dieses wichtigen Themas. Wenn man es liest, erhält man einen umfassenden Überblick. Was ist Ihrer Meinung nach das Wichtigste, wenn Lehrerinnen oder Lehrer mit neuer Technologie im Mathematikunterricht arbeiten?

H.-G. Weigand: Lehrerinnen und Lehrer müssen zunächst einmal selbst erfahren haben, dass neue Technologien beim Lösen ihrer eigenen mathematischen Probleme hilfreich sind. Nur wer selbst von etwas überzeugt ist, kann auch andere überzeugen. Der zweite Schritt ist es dann, wie diese Überzeugungen auch bei Schülerinnen und Schülern aufgebaut und entwickelt werden können. Zu beiden Aspekte versucht das Buch einen Beitrag zu leisten.

MT: Welche Programme sollte man unbedingt kennen, wenn man heutzutage zeitgemäß Mathematik unterrichten will?

H.-G. Weigand: Es gibt drei Hauptkategorien von Programmtypen, das sind Computeralgebra-Systeme wie Derive oder MathCad, Dynamische Geometrie Programme wie DynaGeo oder Cinderella und Tabellenkalkulationsprogramme wie Excel. Es ist wichtig, dass man die zentralen Eigenschaften dieser drei Haupttypen kennt. Es ist dann nicht mehr so entscheidend, welches Programm das denn nun im einzelnen ist. Das ist sowieso im Fluss und es kommen ständig neue Programme auf den Markt. Es geht um ein grundlegendes Wissen und nicht um spezielles Bedienerwissen. Neben diesen drei Hauptkategorien sollte man einige Lernprogramme zum Üben und Wiederholen kennen, hierzu bieten alle Schulbuchverlage ein breites Spektrum an.

MT: Womit könnte man sinnvollerweise beginnen, wenn man erste Erfahrungen mit neuerer Technologie im MU machen möchte?

H.-G. Weigand: Es eignen sich Lernprogramme in der Orientierungsstufe. Ein guter Einstieg ist mit einem Tabellenkalkulationsprogramm denkbar, da die Schüler das i. a. auch bereits zuhause auf dem Computer haben; ab der 7. Klasse lässt sich gewinnbringend ein Dynamisches Geometrie Programm einsetzen, das die Schüler - bei geringer Schullizenzgebühr - auch zuhause einsetzen können. Wer mit diesen Programmen Erfahrungen gesammelt hat, kann ein Computeralgebrasystem - im zweiten Teil der Sekundarstufe I und in der Oberstufe - einsetzen. Daneben sind Graphische Taschenrechner vor allem im Algebraunterricht beim Zeichnen von Funktionsgraphen sinnvoll einzusetzen, da sie stets am Platz des Schülers zur Verfügung stehen.

MT: An vielen Stellen führt die Verknüpfung von Papier und Bleistift einerseits und neuerer Technologie andererseits zu einer Bereicherung in der mathematischen Arbeit. Haben Sie hierfür ein Lieblingsbeispiel?

H.-G. Weigand: Vor allem dann, wenn es darum geht, einen mathematischen Themenbereich experimentell zu erforschen. Wie ändert sich das Mittenviereck eines beliebigen Vierecks, wenn eine der Ecken des Vierecks verändert wird? Wie viele Endnullen treten bei der Zahl n! auf, wenn n eine natürliche Zahl ist? Auf welcher Linie wandert der Schnittpunkt der Höhen eines Dreiecks, wenn eine Ecke des Dreiecks verändert wird? Bei diesen Aufgaben ist es das Wechselspiel zwischen Überlegen, Experimentieren, Interpretieren, Begründen, Beweisen, Verändern, was andere - bisher so nicht gesehene Eigenschaften - ins Bewusstsein bringt.

MT: Dürfen wir noch zwei eher persönliche Fragen stellen? Was mögen Sie an der Mathematik am meisten?

H.-G. Weigand: Die Schönheit der Mathematik. Die Schönheit ist der Glanz der Wahrheit (sagte Beuys) und nirgends gilt das mehr als in der Mathematik. Die Schönheit geht einher mit der Möglichkeit des Begründens und damit des Wissens. Symmetrische Formen (wie sie etwa in den Bildern von M. C. Escher zum Ausdruck kommen), deren Reiz erst dann zur vollen Blüte kommt, wenn man die Konstruktionsprinzipien dahinter verstanden hat. Regelmäßige Zahlenmuster - etwa im Pascalschen Dreieck - mit verblüffenden Gesetzmäßigkeiten. Gesetzmäßigkeiten, die sich dann wieder in der Natur widerspiegeln und damit die Schönheit der Natur erkennen lassen.

MT: Welche Hobbys haben Sie neben Mathematik?

H.-G. Weigand: Musik. Seit Jahrzehnten Elvis-Fan. Aber auch von den Beatles, Stones (ja beide, was heute vielleicht möglich ist), Elton John, Tina Turner, Bruce Springsteen bis zu Dee Bridgewater und Diana Krall.
Badminton. Seit meinem 10 Lebensjahr spiele ich Badminton und war in den letzten Jahren sogar daran interessiert, wie denn nun tatsächlich der Federball durch die Luft fliegt.

MT: Vielen Dank.