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Pressemitteilung
 

 
 

18.08.2014

Innenminister Ralf Jäger schaut hinter die Kulissen des Kampfmittelbeseitigungsdienstes der Bezirksregierung Düsseldorf

Regierungspräsidentin Anne Lütkes begrüßte heute Innenminister Ralf Jäger bei seinem Besuch des Kampfmittelbeseitigungsdienstes der Bezirksregierung Düsseldorf. Der Minister informierte sich vor Ort über Aufgaben, Organisation und Technik und unterhielt sich mit den Entschärfern über ihre gefährliche Arbeit. „Die Kampfmittelräumer riskieren täglich ihr Leben. Ihnen gilt mein ausdrücklicher Dank und meine Anerkennung“, lobte Jäger.

Besonders beeindruckte den Minister der präventive Aspekt der Arbeit des Kampfmittelbeseitigungsdienstes. Vor der Entscheidung „entschärfen oder sprengen“ steht eine analytische Arbeit am Bildschirm. Im Vorfeld von Baumaßnahmen werten Mitarbeiter gezielt Luftbilder der Alliierten aus Kriegszeiten aus. Ergibt sich dabei der Verdacht einer nicht detonierten Weltkriegsbombe, wird der Baugrund vor Ort überprüft. Die Luftbilder wurden von Amerikanern und Briten ursprünglich zur Kontrolle ihrer Bombenabwürfe gefertigt, die Nutzungsrechte haben die Länder in den 70’er und 90’er Jahren erworben. Nordrhein-Westfalen hat anschließend Millionen in die Aufarbeitung und Digitalisierung der alten Bilder investiert. „Das war gut angelegtes Geld“, erklärte Jäger, denn etwa zwei Drittel aller Bomben werden auf diese Weise gefunden.

In den letzten Jahren wurden durchschnittlich zwischen 230 und 240 größere Bomben gefunden. Die Fundmenge ist konstant geblieben. Statistisch vergehen in Nordrhein-Westfalen keine zwei Tage, ohne dass eine Bombe mit einem Gewicht von mindestens 50 Kilo gefunden wird und der Kampfmittelbeseitigungsdienst ausrücken muss. „Das zeigt, wie wichtig die Kampfmittelbeseitigung auch fast 70 Jahre nach Kriegsende noch ist und wohl auch noch Jahrzehnte bleiben wird“ betonte Innenminister Jäger. „Der Kampfmittelbeseitigungsdienst ist gut gerüstet für die Zukunft“, zeigte sich der Minister nach seinem Besuch überzeugt.

Das Land beschäftigt 55 Kampfmittelräumer bei den Kampfmittelbeseitigungsdiensten im Rheinland und in Westfalen. Sie haben im Regelfall einen handwerklichen oder technischen Berufsabschluss und kommen oft über die Tätigkeit bei privaten Räumfirmen zum staatlichen Kampfmittelbeseitigungsdienst. Eine offizielle Berufsbezeichnung „Kampfmittelräumer“ gibt es ebenso wenig wie eine bundesweit einheitliche Ausbildung. Erforderlich für den Einsatz als Truppführer sind der Nachweis der Fachkunde nach dem Sprengstoffgesetz, langjährige Erfahrung im Umgang mit Munition sowie praktische Kenntnisse in der Auswertung und Interpretation von Messdaten. Kriegsbegeisterte oder Helden sind im staatlichen Kampfmittelbeseitigungsdienst nicht gefragt, erfuhr der Minister. „Bei der Entscheidung über Entschärfung oder Sprengung kann jeder Irrtum tödlich sein. Gefragt sind deshalb Spezialisten mit technischer Affinität und Nervenstärke sowie gesundem Respekt vor ihrer Arbeit“, hob Jäger hervor.