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Pressemitteilung
 

 
 

15.03.2019

Für die Sicherheit von Pferd und Reiter

Bezirksregierung prüft Maschinen und Persönliche Schutzausrüstung auf der Messe Equitana

Ein Reithelm für 15 Euro? Das erregt die Aufmerksamkeit von Christian Bornemann. Im Gegensatz zu den meisten Besuchern der Equitana in der Messe Essen ist der Mitarbeiter der Bezirksregierung Düsseldorf aber nicht auf der Suche nach Schnäppchen, sondern kontrolliert zusammen mit seiner Kollegin Vanessa Golfmann Maschinen und Sicherheitsausrüstungen auf ihre Produktsicherheit - zum Schutz für Mensch und Tier.

Noch bis zum 17. März lockt die Messe tausende pferdebegeisterte – meist weibliche – Besucher nach Essen. 750 Austeller präsentieren von A wie Abschwitzdecke bis Z wie Zaumzeug alles rund um die edlen Vierbeiner. Golfmann und Bornemann interessieren sich an diesem Tag besonders für Persönliche Schutzausrüstungen wie Helme oder Westen sowie Maschinen.

Sie schauen genau hin, ob die Ausstellungsstücke den sicherheitstechnischen und formalen Vorgaben des Produktsicherheitsgesetzes entsprechen. Dazu gehören entsprechende Kennzeichnungen (CE), Unterlagen (z.B. Bedienungsanleitung, Informationsbroschüre) aber auch Sicherheitsvorkehrungen (z.B. gegen Verletzungen, Überspannung). In die Pflicht zu nehmen sind dabei nicht nur die Hersteller sondern auch Einführer, Händler und Aussteller. Bornemann: „Wer EU-Produkte kauft, soll davon ausgehen können, dass diese bei der Verwendung keine Gefahr für Sicherheit und Gesundheit darstellen.“

Deshalb sind die Mitarbeiter der Bezirksregierung auch regelmäßig auf Messen unterwegs. Als erstes sehen sich die beiden auf dem Stand eines Führanlagenherstellers um. „Wir prüfen, ob die Anlage Verletzungsrisiken für Mensch oder Tier darstellt. Wir kontrollieren, ob es einen Notschalter gibt, der entsprechend gesichert ist, und ob die Maschine eine Kennzeichnung trägt“, listet Golfmann einige Aspekte auf. Eine entsprechende Checkliste (Produkterhebungsbogen) hat sie dabei, füllt sie aus, macht Fotos zur Dokumentation. 

Derweil fragt Bornemann nach den notwendigen Dokumenten: Betriebsanleitung Konformitätserklärung (in der u.a. die Maschine beschrieben und angewandte Normen dokumentiert sein müssen). Das Personal am Stand kann damit auf dem Stand nicht dienen, darf die Unterlagen aber nach der Messe nachliefern, denn ansonsten ist hier alles in Ordnung. 

Besonders beliebt sind in den deutschen Ställen derzeit offensichtlich Aquatrainer. Dabei kommen die Tiere in eine gläserne Kiste, die mit Wasser gefüllt wird, auf ein Laufband – quasi Wassertreten für Pferde. Gleich mehrere Aussteller präsentieren unterschiedliche Modelle. Während an einem Stand sofort die Aktenordner mit den notwendigen Dokumenten, vorgelegt werden, sehen Bornemann und Golfmann am Stand eines englischen Herstellers nur Fragezeichen in den Gesichtern der Messe-Mitarbeiter. Und das liegt nicht nur an der Sprachbarriere. 

Die Anlage wird in Großbritannien produziert – also (noch) in der EU. Doch von den verlangten Papieren hat man hier -auch nach entsprechender Übersetzung- noch nie etwas gehört – und das, obwohl die Firma schon seit Jahren auf der Messe vertreten sei. Hektische Telefonate mit der Heimat sind die Folge. Derweil schauen sich die Mitarbeiter der Bezirksregierung die beiden ausgestellten Geräte genauer an. Eine Kennzeichnung ist nirgendwo zu sehen.

Für einen Moment sieht es so aus, dass das Unternehmen mit von der Bezirksregierung vorgegebenen Texten darauf aufmerksam machen muss, dass ihre Produkte nicht den EU-Vorschriften entsprechen. Doch dann stellt sich heraus, dass die ausgestellten Aquatrainer nur Musteranlagen sind. „Das müssen Sie dann aber auch entsprechend kenntlich machen“, klärt Bornemann auf. Das wollen die so Angemahnten sofort mit einem Aufkleber an den Maschinen umsetzen, die Messe ist für sie gerettet. 

Nicht immer reagieren die Angesprochenen so verständnisvoll und höflich wie an diesem Tag. „Gerade, wenn wir etwas beanstanden, wird es auch schon mal lauter“, weiß Bornemann. Immerhin kann die Bezirksregierung den Betrieb untersagen, Bußgelder verhängen. Aber die meisten zeigen sich irgendwann einsichtig.

Die Kontrollen laufen stichprobenartig ab, manchmal angestoßen durch Auffälligkeiten – wie der Spottpreis für die Reithelme. „An anderen Ständen kosten die ab 100 Euro aufwärts“, hat Bornemann beobachtet. Deshalb nimmt er zwei Helme mit, um sie testen zu lassen. Der

Händler erhält eine so genannte Probenahmequittung für seine Geschäftsunterlagen, denn die Helme werden nach dem Test durch das Landesinstitut für Arbeitsgestaltung (LIA) nicht mehr zu verkaufen sein.

Sollte sich herausstellen, dass die günstigen Reithelme nicht den Vorschriften entsprechen, bekommt sowohl der Hersteller, als auch der Händler Post von der Bezirksregierung. „Das kann je nach Art der Mängel bis zu einer Rückrufaktion gehen“, sagt Bornemann. Schließlich geht es um die Sicherheit der Verbraucher.