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Umweltschutz - Gewässerschutz
 

 
 

18.09.2017

Der Warndienst Rhein - Internationale Hauptwarnzentrale des Warn- und Alarmplans Rhein (WAP)

Einführung

Der Niederrhein ist die am stärksten befahrene Wasserstraße der Welt. Im Jahr passieren bei Emmerich in beiden Richtungen etwa 200.000 Schiffe die deutsch-niederländische Grenze. Das sind im Durchschnitt rund 550 Schiffe pro Tag. Jedes vierte Schiff transportiert Gefahrgut, insgesamt rund 40 Mio. t pro Jahr. Den Hauptanteil bildet Mineralöl und dessen Produkte

Die Zahl der Unfälle auf dem Rhein lag laut Statistik des Bundesverkehrsministeriums im Jahr 2013 bei ca. 220. Jeder Unfall birgt potentiell Gefahren mit weitreichenden, wenn nicht sogar katastrophalen Folgen in sich. Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen kann es beim Transport oder beim Umschlag zu Schadstofffreisetzungen kommen. Die unmittelbare Folge sind Gewässerschädigungen, von denen unter Umständen wiederum Gefahren für die Wasserversorgung oder für die Gesundheit von Menschen und Tieren ausgehen können.

Weiterhin liegen große Industriebetriebe im Einzugsbereich des Rheins, die im Falle einer Betriebsstörung oder eines Brandes eine erhebliche Gefahr (kontaminiertes Abwasser, Löschwasser) darstellen. Der bekannteste und folgenreichste Vorfall dieser Art war der Brand in einem Chemielager der Fa. Sandoz bei Basel im Jahre 1986. Hierbei waren mit dem Löschwasser rund 300 t Herbizide (vor allem Phosphorsäureester) in den Rhein gelangt und hatten das biologische Leben im Oberrhein weitgehend vernichtet. Die Giftwelle erzwang selbst noch am Niederrhein die zeitweilige Stilllegung einiger Wasserwerke.



Behördliche Maßnahmen

Um dem adäquat zu begegnen, regelten regionale Alarmpläne der Behörden die Melde- und Abwehrmaßnahmen. Ein solcher Alarmplan war der sogenannte "Warndienst Rhein" bei der Bezirksregierung Düsseldorf. Dieser wurde erstmals 1969 ins Leben gerufen, nachdem es ab Bingen zu einem, durch das Insektizid Endosulfan verursachten großen Fischsterben im Mittel- und Niederrhein gekommen war.

Mit dem europäischen Übereinkommen zum Schutz des Rheins vor Verunreinigungen von 1976 ("Chemieabkommen"), das 1978 in Bundesrecht umgesetzt wurde, war die Grundlage für den internationalen „Warn- und Alarmplan Rhein“ gelegt. Dieser Alarmplan, der von der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) ins Leben gerufen wurde und bis heute von dort aus federführend betreut wird, trat 1980 in Kraft. Dieser hat den "Warndienst Rhein" internationalisiert und der Bezirksregierung Düsseldorf die Funktion einer Internationalen Hauptwarnzentrale übertragen.


Bei der Identifizierung unbekannter Eintragspfade von Schadstoffen in den Rhein (illegale Abwassereinleitungen, unbemerkte Stofffreisetzungen, illegale Abfallentsorgung u.am.) spielen die Wasserkontrollstationen längs des Rhein eine besondere Rolle. Das Landesamt für Natur, Umwelt- und Verbraucherschutz (LANUV) betreibt u.a. sowohl am Eintritt des Rheins nach NRW in Bad Honnef als auch beim Austritt nach den Niederlanden in Kleve-Bimmen personell besetzte Wasserkontrollstationen. Weiterhin ist das LANUV durch das Laborschiff „Max-Prüss“ in der Lage, überall im Rhein Proben zu ziehen.

Die Ergebnisse aller Untersuchungen werden bei Überschreitung der Meldeschwellen der Bezirksregierung Düsseldorf zeitnah gemeldet.



Aufgaben des Warndienstes Rhein

Die bei einem Schadensfall in den Rhein geflossenen Stoffe können in der Regel nicht aufgefangen werden und treiben mit der fließenden Welle ab. Schnelle und reibungslose Meldungen sind erforderlich, damit Gefahrenabwehr, Ursachenermittlung oder Vermeidung von Folgeschäden rechtzeitig veranlasst werden können. Vor allem muss eine frühzeitige Benachrichtigung der Wasserwerke am Rhein und in den Niederlanden erfolgen, da diese Wasserwerke ihr Rohwasser aus Rheinuferfiltrat beziehen.

In Nordrhein-Westfalen wurde die Bezirksregierung Düsseldorf zur Internationalen Hauptwarnzentrale R 6 für den gesamten nordrhein-westfälischen Rheinabschnitt bestimmt. Für diese Aufgabe war die Bezirksregierung Düsseldorf dadurch bestens gerüstet, dass sie einerseits für die Entgegennahme und Weiterleitung von Alarmmeldungen eine rund um die Uhr besetzte Polizeileitstelle besaß. Auf der anderen Seite ist sie als Obere Wasserbehörde im Dezernat 54 mit dem notwendigen Fachpersonal ausgestattet. Mittlerweile hat der ständig besetzte, sogenannte „Meldekopf“ der Bezirksregierung einige Funktion der Polizeileitstelle übernommen und dient u.a. dem Rheinwarndienst als zentrale Anlaufstelle für sämtliche eingehenden Informationen.

Die Rufbereitschaftshabenden des Rheinwarndienstes sind Mitarbeiter des Dezernates 54. Sie haben informelle und beratende Aufgaben, die dezidiert im Internationalen Warn- und Alarmplan geregelt sind. Sie sind mit Mobiltelefonen und UMTS-Laptops ausgerüstet, um jederzeit zeitnah Informationen und Warnungen auszugeben. Bei komplexen Sachverhalten gibt es darüber hinaus die Möglichkeit, über die Rufbereitschaft des LANUV sich mit den dort ansässigen Experten auszutauschen.