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Umweltschutz - Gewässerschutz
 

 
 

15.05.2017

Wasserversorgung - Qualitätsbeeinträchtigungen des Trinkwassers

Die Trinkwasserversorgung im Regierungsbezirk ist kein ein Mengen- sondern vielmehr ein Qualitätsproblem. Der Niederrhein ist eine der grundwasserreichsten Landschaften Deutschlands. Die Nutzbarkeit dieses Grundwasserreservoirs wird jedoch zunehmend durch Qualitätsbeeinträchtigungen in Frage gestellt. Bereits jetzt werden lediglich ca. 40 % des Trinkwasserbedarfs des Regierungsbezirks durch Grundwasser gedeckt. Die restlichen Trinkwasseranteile stammen aus Uferfiltrat des Rheins, angereichertem Grundwasser (Ruhrwasserwerke) und Talsperren.

Photos Wassertürme

(Fotos: Wassertürme der Niederrheinische Versorgung und Verkehr AG; v.l.n.r. Wasserturm Rheindahlen, Viersener Straße und Wickrather Straße)

Photo Wasserturm

(Foto: Wasserturm "Aquarius" der RWW in Mülheim a.d.Ruhr)

Hauptursachen der qualitativen Grundwasserbeeinträchtigungen

Übermäßiger Einsatz von Düngemitteln in der Landwirtschaft:
Bezüglich der hierdurch entstehenden Nitratbelastung kann trotz aller Bemühungen um eine gewässerverträgliche Landwirtschaft keine Entwarnung gegeben werden. In der  Vergangenheit mussten bereits Wassergewinnungen eingestellt werden, weil der Nitrat-Grenzwert der Trinkwasserverordnung nicht mehr eingehalten werden konnte. Auch wurde die Gewinnung in tiefere – bisher noch nitratfreie – Grundwasserstockwerke verlagert. In einigen Fällen wurde  die Errichtung von speziellen Aufbereitungsanlagen zur Nitratbeseitigung  notwendig. Da Nitrat nur mittels mikrobiologischer Verfahren selektiv entfernt werden, kann sind diese Verfahren in der Anwendung häufig schwierig (Keimwachstum). Alle anderen Aufbereitungsverfahren (Nanofiltration, Umkehrosmose) filtern neben Nitrat auch andere Inhaltsstoffe aus dem Trinkwasser, deren Verbleib aus gesundheitlichen Gründen und wegen der Netzsicherheit erforderlich ist.

Unsachgemäße Verwendung von Pflanzenschutzmitteln:
In vielen Messstellen, aber auch Trinkwasserbrunnen werden z.T. gravierende Verunreinigungen durch Pflanzenbehandlungsmittel festgestellt. Quellen hierfür sind neben der Landwirtschaft z.B. Bahnanlagen, Sportanlagen und die Unkrautbekämpfung auf Parkplätzen sowie unsachgemäßer Gebrauch in Privathaushalten.

Altlasten, Altstandorte, Altablagerungen:
Altlasten und Altstandorte sind ein erhebliches Problem in städtischen Wassereinzugsgebieten . In einigen Fällen führten altlastenbedingte Grundwasserschäden zu Schließungen von Wassergewinnungen. Oftmals müssen mit hohem Kostenaufwand Grundwasserreinigungen durchgeführt werden.

Altablagerungen wie z.B. Verfüllungen von Baggerseen mit Bauschutt und Bergematerial bedrohen mehrere Wassergewinnungen durch hohe Sulfatbelastungen.

Abgrabungen und ihre Verfüllung:
Insbesondere Nassabgrabungen sind schon wegen der damit verbundenen Freilegung des Grundwassers ein ernstzunehmendes Gefährdungspotential.

Bild Abgrabung

(Foto: Abgrabungsflächen)

Trockenabgrabungen haben wegen der damit verbundenen Wegnahme der schützenden und filternden Deckschichten ähnliche Wirkungen.

Austritt wassergefährdender Stoffe im Zusammenhang mit gewerblicher Tätigkeit (Anlagen und Transport)
Die Praxis zeigt, dass immer wieder Boden- und Grundwasserverunreinigungen im Zusammenhang mit Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen auftreten, wie z.B. durch undichte Lagerbehälter. Die Verknappung von Bauflächen führt dazu, dass viele Städte und Gemeinden mit Planungen für Gewerbegebiete auch Einzugsgebiete der öffentlichen Trinkwasserversorgung in Anspruch nehmen. Die Grundwassergefährdung wird häufig mit dem Hinweis auf neuere strenge gesetzliche Vorschriften und die Kontrolle durch die Wasserbehörden unterschätzt.

Die Lebenserfahrung beweist aber, dass Unfälle, menschliches oder technisches Versagen und unsachgemäßer oder fahrlässiger Umgang mit wassergefährdenden Stoffen und Anlagen niemals völlig auszuschließen sind. Die Ausweisung von Gewerbegebieten im näheren Umfeld der Wassergewinnungen steigert somit das Risiko von Grundwasserschäden, die in Einzelfällen existenzbedrohend für die Wassergewinnungen werden können.

Aber auch die Nutzung von Oberflächengewässern für die Trinkwassergewinnung ist nicht unproblematisch:

Einleitungen aus kommunalen Kläranlagen
Durch die Einleitung von gereinigten Abwässern aus kommunalen Kläranlagen wird eine Vielzahl von Stoffen in die Gewässer eingetragen. Hier sind insbesondere Arzneimittel und deren Abbauprodukte zu nennen, aber auch im Haushalt verwendete Reinigungsmittel tragen zu einer Gewässerbelastung bei.

Einleitung aus der Industrie:
Neben den Abwassereinleitungen aus kommunalen Kläranlagen leiten auch Industrieunternehmen ihre aufbereiteten Abwässer in die Oberflächengewässer ein. Die Aufbereitung ist allerdings häufig nicht geeignet organische Spurenstoffe in ausreichendem Maße aus dem Wasser zu entfernen um eine Nutzung als Trinkwasser zu erlauben. Hier ist eine weitere Aufbereitung durch den Wasserversorger notwendig um einbandfreies Trinkwasser zu produzieren. In der Regel ist hierfür eine Aufbereitung mittels Aktivkohlefiltern oder Menbranfiltrationsanlagen notwendig.

Weitere Belastungen:
Weiter Belastungen in Oberflächengewässern werden durch die Abschwemmung von Pflanzenschutzmitteln und Düngemitteln von landwirtschaftlich genutzten Flächen im Einzugsgebiet der Gewässer verursacht.
Bei Talsperren kann es durch starkes Algenwachstum zur Freisetzung von Algentoxinen kommen, die auch für den Menschen gefährlich sind.

Die Festsetzung von Wasserschutzgebieten ist hier nur bei Talsperren hilfreich. Bei der Uferfiltration am Rhein oder der Nutzung von angereichertem Grundwasser im Bereich der Ruhr müsste eigentlich der gesamte Flusslauf sowie alle Einleitungen betrachtet werden. Dies kann durch die Festsetzung von Wasserschutzgebieten nicht erreicht werden. Hier sind weitergehende Maßnahmen zur Verbesserung der Flusswasserqualität an der Quelle erforderlich, da einzelne Spurenstoffe nur sehr schwer aus dem Wasser zu entfernen sind.