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Umweltschutz - Landschafts- und Naturschutz / Fischerei
 

 
 

13.07.2012

NATURA 2000 – über 20 Jahre FFH-Richtlinie der EU

Die ältesten und nach wie vor wohl wichtigsten Instrumente des Naturschutzes sind die Unterschutzstellung wertvoller Gebiete sowie seltener Pflanzen- und Tierarten. In der Vergangenheit  sind Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete unter eher regionalen oder sogar lokalen Gesichtspunkten ausgewiesen worden. Und auch der Arten-schutz hatte eine eher nationale Orientierung. Mit der am 21. Mai 1992 erlassenen, F(auna)F(lora)H(abitat)-Richtlinie  fordert darüber hinaus gehend die Europäische Union von ihren Mitgliedsstaaten ein Schutzgebietssystem und einen Artenschutz, die sich an europaweiten Erfordernissen orientieren. Ziel ist der Erhalt des Europäischen Naturerbes in Form seiner Biodiversität. Damit ist die Vielfalt wildlebender Pflanzen- und Tierarten sowie deren Lebensräume gemeint und zwar in einem aus europaweiter Perspektive günstigen Erhaltungszustand. Das Schutzgebietssystem trägt den Namen NATURA 2000 und besteht aus FFH-Gebieten sowie Europäischen Vogelschutzgebieten gemäß der Europäischen Vogelschutz-richtlinie. Letztere stammt bereits aus dem Jahr 1979 und die FFH-Richtlinie bezieht sich ausdrücklich auch auf diese. Alle 6 Jahre müssen die Mitgliedsstaaten der EU den Stand ihrer NATURA-2000-Anstrengungen berichten – das nächste Mal in 2013. Zu diesem Zweck berichten in Deutschland die Bundesländer an die Bundesregierung, die wiederum die EU informiert.

1998 wurde der Europäische Auftrag durch Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) in deutsches Recht aufgenommen. Seitdem haben die Bundesländer NATURA-2000-Gebiete ausgewiesen. Im Regierungsbezirk Düsseldorf, wie in Nordrhein-Westfalen insgesamt, wurde das Schutzgebietssystem bis 2009 vervollständigt. Die Umsetzung geschah hierzulande durch Landschaftsplansatzungen der Kreise und der kreisfreien Städte sowie durch Verordnungen der Bezirksregierungen, oftmals unter Anpassung bereits bestehender Ausweisungen an die neuen Anforderungen. Im mit nahe Tausend Einwohnern pro qkm ganz besonders dicht besiedelten Regierungsbezirk Düsseldorf führte das zu insgesamt 77 FFH-Gebieten mit 21.356 ha Gesamtfläche (was 4,23 % der Bezirksfläche entspricht) und 2 Europäischen Vogelschutzgebieten mit 33.029 ha (6,24 % des Regierungsbezirks).

Überschneidungsfrei haben wir damit im Regierungsbezirk Düsseldorf knapp 44.000 ha NATURA-2000-Gebiete auf etwa 8,5% der Gesamtfläche.

Zum Vergleich: Bundesweit wurden bei einer im Durchschnitt nur etwa ein Viertel so hohen Einwohnerdichte 5.266 FFH- und Vogelschutzgebiete (15,4% der terrestrischen und ca. 45% der marinen Fläche Deutschlands) ausgewiesen und EU-weit mit einer durchschnittlich sogar nur ein Achtel betragenden Einwohnerdichte ca. 25.000 FFH- und Vogelschutzgebiete (18% der Landfläche aller Mitgliedstaaten). Das ist eine stolze Leistung.

Leider befinden sich NRW-weit die Europäischen Lebensraumtypen im Mittelgebirgsraum (kontinentale Region) nur zu etwa 2/3 in einem günstigen Erhaltungszustand und im Flachland (atlantische Region) sogar nur zu 1/3. Auch die FFH-Arten befinden sich landesweit zu nur 1/3 in einem günstigen Erhaltungszustand. Deshalb besteht ganz erheblicher Handlungsbedarf. Um dem gerecht zu werden, hat die Bezirksregierung Düsseldorf im Jahr 2010 vor Ort flächendeckend sog. „Regionalgespräche“ durchgeführt, um u.a. den Kreisen und kreisfreien Städten deren Verantwortung für das NATURA-2000-Schutzgebietssystem zu verdeutlichen und in Zusammenarbeit mit dem Landesumweltamt (LANUV) sowie den Biologischen Stationen sog. „Maßnahmenkonzepte“ (MaKo) einzufordern. Mit deren Hilfe soll der Zustand der Schutzgebiete spürbar verbessert werden. Für die Waldflächen sind solche Konzepte bereits vorhanden. Für die Offenlandflächen befinden sie sich noch in der Bearbeitung. Doch Konzepte allein werden selbstverständlich nicht ausreichen, sondern es bedarf vor allem der Umsetzung zahlreicher und wirksamer Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen.

Es gibt also noch sehr viel zu tun!

Der Naturschutz ist dabei dringend auf die Mithilfe der Bürgerinnen und Bürger angewiesen und zwar besonders aus der Landwirtschaft, der Forstwirtschaft und den für die Gewässer verantwortlichen Institutionen.