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Wir über uns - Jahresrückblicke
 

 
 

25.01.2016

Die Rückkehr der Wanderfische

Viele Erfolge, es bleibt noch Einiges zu tun…

Die Bezirksregierung Düsseldorf hat sich auch in diesem Jahr an der Umsetzung des Wanderfischprogrammes in NRW (WFP) inhaltlich und finanziell beteiligt. Seit dem Projektstart des WFP 1998 sind kontinuierlich ökologische Verbesserungen durch gezielte Maßnahmen zum Artenschutz und Monitoring einzelner Wanderfischarten erreicht worden. Ziel des WFP ist es, die Rückkehr und nachhaltige Etablierung von Lachs, Aal, Maifisch und Co. in unseren Gewässern zu gewährleisten. Hierfür sind in jeweils mehrjährigen Projekten einzelne Schwerpunkte gesetzt worden, um die ehemals ausgestorbenen sowie vom Aussterben bedrohten oder stark gefährdeten Wanderfischarten und Neunaugen langfristig wieder in den Gewässersystemen in NRW etablieren zu können.

Die nunmehr vierte Programmphase ist zum Jahresende 2015 abgeschlossen worden. Die inhaltliche Abstimmung für die kommende Projektphase (2016-2020) ist bereits beendet.

Wanderfische müssen für eine erfolgreiche Fortpflanzung in ihrem Lebenszyklus den Wechsel zwischen Süßwasser- und Meereslebensräumen durchführen. Sie legen dabei zum Teil sehr große Entfernungen zurück, um zu ihren Laichhabitaten zu gelangen. Für den Lachs als die bekannteste Zielart unter den Wanderfischen sind dies die Oberläufe von kiesgeprägten und sauerstoffreichen Fließgewässern. Für den europäischen Aal erfolgt die Wanderung in umgekehrter Richtung. Der Aal muss zum Laichen ca. 5000 km überwinden, um in die Sargassosee (Westatlantik) zu gelangen. Gerade die Aalbestände sind in den letzten Jahren dramatisch zurückgegangen, so dass sein derzeitiger Bestand außerhalb sicherer biologischer Grenzen liegt. Die EU-Mitgliedsstaaten sind daher seit 2007 dazu verpflichtet, dass mindestens 40 % der Blankaal-Biomassen, die sich aus dem Referenzzustand ergeben, erfolgreich abwandern können, um das Aussterben des Aales noch verhindern zu können.

Die Wanderfische sind durch ihren komplexen und anspruchsvollen Lebenszyklus in besonderer Weise darauf angewiesen, dass die Gewässer und Auen saniert und die Durchgängigkeit der Fließgewässer auf- und abwärts verbessert wird. Wehre, Wasserkraftanlagen und Schleusen sind hier häufige Zwangspunkte in vielen Fließgewässern. Noch vorhandene ungeschützte Turbinen verhindern zusätzlich eine erfolgreiche Durchwanderung der Gewässer. Die maximale Anzahl der durchwanderbaren Querbauwerke mit Wasserkraftanlagen ist daher für die Zielartengewässer von Lachs und Aal auch bei optimalem Fischschutz vor den Turbinen der Wasserkraftanlagen beschränkt.

Die bereits erzielten Erfolge des Wanderfischprogrammes sind von nationalen und internationalen Fachkollegen und -kolleginnen sowie in der Öffentlichkeit wahrgenommen worden. So stammen z. B. für den Lachs die bundesweiten Nachweise von Rückkehrern im Rheinsystem überwiegend aus NRW (> 60 %). Hier ist bisher v.a. das Sieg Gewässersystem (BR Köln) von besonderer Bedeutung. In zunehmendem Maße lässt sich auch in weiteren Programmgewässern eine erfolgreiche Naturvermehrung durch Rückkehrer belegen.

Durch die bereits erzielten Verbesserungen der ökologischen Gewässersituation und der Durchgängigkeit des Wupper/Dhünn Gewässersystem (BRen Düsseldorf, Köln) sind auch hier verstärkt Rückkehrer zu beobachten. Die ökologische Weiterentwicklung der Wupper als geeignetes Lachs- und Aalgewässer ist für den Regierungsbezirk Düsseldorf gemeinsam mit der Bezirksregierung Köln ein sehr wichtiger Baustein in der Beteiligung am WFP NRW.


Trotz der bereits erreichten erfreulichen Entwicklungen beim Lachs bleibt der Anteil der Naturvermehrungen und erfolgreichen Abwanderraten der Junglachse noch unzureichend (kritische biologische Grenze 3 %), um eine selbsterhaltende Lachspopulation zu gewährleisten. Es sind daher weiterhin unterstützende Besatzmaßnahmen in Pilotstrecken und -gewässern nötig, um diesen Prozess zu fördern und auch die genetische Biodiversität dieser Art aufrechtzuerhalten. Auch der Lachsbesatz im Sieggewässersystem wird seit vielen Jahren durch die BR Düsseldorf finanziell unterstützt. In der kommenden Programmphase ab 2016 wird sich die BR Düsseldorf daher auch zur Sicherung des Bedarfes an Wildlachsbrütlingen an den Aufzuchtzielen des Wildlachszentrums St. Augustin inhaltlich und finanziell beteiligen.

Auch die Rückkehr des Maifisches im Rhein erfreut sich seit zwei Jahren einer großen Öffentlichkeit. Noch bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts waren große Schwärme des Maifisches im Rhein bekannt, die dann leider zu Beginn des 20. Jahrhunderts erloschen waren. Seit 2013 konnten durch die Anstrengungen im Rahmen der LIFE / LIFE + Projekte auch unter Beteiligung der BR Düsseldorf zum Maifisch im Rhein erstmals wieder Jungfische aus einer natürlichen Reproduktion nachgewiesen werden. Auch der deutliche Anstieg von ausgewachsenen Maifischen in 2014 und 2015 spricht für erste Erfolge in der Wiederansiedlung dieser Wanderfischart in NRW.


Aal

Für den Aal sind wegen seiner dramatischen Bestandsentwicklungen in den letzten 10-15 Jahren besonders dringend geeignete Schutz- und Besatzmaßnahmen in den nächsten Jahren nötig. Daher haben die Maßnahmen zum Aal weiterhin einen hohen Stellenwert in der aktuellen und kommenden Projektphase. Die fachliche und überwiegend finanzielle Betreuung erfolgt durch das LANUV.

Das Wanderfischprogramm ist ein Gemeinschaftsprojekt des Landes NRW (Umweltministerium, Bezirksregierungen, LANUV) mit dem Fischereiverband NRW e.V.. Die fachliche Ausrichtung und Umsetzung des WFP erfolgt über eine Lenkungsgruppe, dem FB 26 des LANUV und den Fischereidezernenten der Bezirksregierungen sowie in den Kernteams zu den jeweiligen Zielarten. Die Finanzierung des Programmes wird durch verschiedene Landesmittel (z. B. Fischereiabgabe, Fischschadensmitteln, Haushaltsmittel LANUV), europäische Gelder (Europäischer Fischereifond, LIFE/LIFE+; WRRL; Interreg IV Mittel) sowie aus verschiedenen Stiftungen (z. B. Stiftung Wasserlauf NRW, HIT Stiftung, weitere) und Eigenmittel der Fischereiverbände und unter Beteiligungen der Wasser- und Bodenverbände sichergestellt.

Weiterführende Informationen zu den jeweiligen Projektberichte der Programmphasen sind unter folgenden Links unserer Homepage abrufbar:

Wanderfischprogramm Nordrhein-Westfalen
Ein Landesprogramm im Bereich Naturschutz und Gewässerökologie
Phase 2011-2015
Phase 2007-2010

Ältere Projektphasen:
Wasserlauf NRW
Umweltministerium NRW

Verfasserin: Nicole Scheifhacken

Übersicht 2015