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Wir über uns - Jahresrückblicke
 

 
 

18.11.2016

"Übung macht den Meister"

Der Krisenstab der Bezirksregierung Düsseldorf und die Hitzewelle

"Übung macht den Meister", dieses bekannte Sprichwort gilt auch und besonders für die Gefahrenabwehr und das Krisenmanagement. So ebenfalls für den Krisenstab der Bezirksregierung Düsseldorf, der immer dann aktiviert wird, wenn es darum geht, bei Großeinsatzlagen und Katastrophen die Abwehrmaßnahmen im Regierungsbezirk Düsseldorf zu koordinieren.

Im Oktober 2016 fanden gleich zwei Übungen mit jeweils dem gleichen Szenario statt.

In diesem Szenario wurde eine Hitzewelle angenommen, also eine lang andauernde Periode mit hohen Temperaturen und wenig Niederschlag. Neben Starkregenereignissen und Stürmen erwarten die Klimaexperten infolge der globalen Erderwärmung für Deutschland auch eine Zunahme von Tagen mit Höchsttemperaturen von über 30 Grad Celsius.

Die reale Wetterlage im Oktober entsprach bis auf den tatsächlich niedrigen Wasserstand des Rheins natürlich nicht der angenommenen Übungslage mit Tagestemperaturen um 40 Grad Celsius. Aber alle Übungsteilnehmerinnen und Übungsteilnehmer haben sich sehr schnell in die fiktive Lage hineinversetzt.

Wie der Krisenstab grundsätzlich strukturiert ist, aber auch speziell für die Lage 'Hitzewelle' besetzt war, geht aus dem folgenden Schaubild hervor.

Da nur der Krisenstab der Bezirksregierung Düsseldorf übte, mussten alle Stellen und Behörden außerhalb der Bezirksregierung Düsseldorf 'gespielt' werden. Diese Aufgabe wurde von der sogenannten Übungssteuerungsgruppe wahrgenommen, personell besetzt von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Kreis- und Stadtverwaltungen des Regierungsbezirks und aus dem Dezernat 22 (Gefahrenabwehr). Diese Übungssteuerungsgruppe war Absender von Nachrichten für den Krisenstab und Empfänger von Nachrichten aus dem Krisenstab.

Jede Übung dauerte 11 Stunden, mit einem Schichtwechsel zur Halbzeit. Insgesamt konnten so etwa 80 Personen an den Übungen teilnehmen, darunter auch Vertreterinnen und Vertreter anderer Behörden und Organisationen. Mit welchen fiktiven Ereignissen musste sich nun der Krisenstab während der Übungen beschäftigen?


Da gab es zunächst größere Waldbrände in den Kreisen Kleve und Wesel. Hier galt es, Hubschrauber der Bundeswehr, der Bundespolizei oder der niederländischen Streitkräfte für eine Brandbekämpfung aus der Luft zu organisieren und überörtliche Hilfe durch Feuerwehr-Bereitschaften zur Ablösung der vor Ort eingesetzten Feuerwehren heranzuführen.

Hitzebedingte Schäden auf Autobahnen erforderten Umleitungen, auch für die Heranführung von überörtlichen Feuerwehr-Bereitschaften in Bereiche mit Waldbränden. Im Kreis Mettmann blieb ein Zug liegen. Wegen Ausfall der Klimaanlage kollabierten mehrere Fahrgäste. Der Einsatz von Rettungsdiensten und Feuerwehren musste vom Krisenstab lagemäßig erfasst und bei den anderen Einsatzmaßnahmen im Bezirk entsprechend berücksichtigt werden.

Das galt auch für ein angenommenes Ereignis auf dem Rhein in Höhe Duisburg: Wegen Niedrigwasser lief ein Fahrgastschiff auf Grund, es kam zu vielen Verletzten. In diesem Zusammenhang waren auch fiktive Presseanfragen zu beantworten.


Der Krisenstab musste entscheiden, ob U-Bahn-Stationen für den Verkehr gesperrt werden sollten, um in Innenstädten besonders von der Hitze betroffenen Menschen eine relativ kühle Aufenthaltsmöglichkeit bieten zu können und ob zum selben Zweck Waldbetretungsverbote aufzuheben waren. Um den Tagesstunden mit Höchsttemperaturen auszuweichen, waren die Aufhebung des Sonntagsfahrverbots für LKW, die Freigabe von Ladenöffnungszeiten und Unterrichtszeiten an Schulen sowie die generelle Möglichkeit der Sonntagsarbeit zu erörtern.

Wegen der vielen hitzebedingten Kreislauferkrankungen kamen die Notaufnahmen der Krankenhäuser und die Rettungsdienste an ihre Kapazitätsgrenzen. Der Krisenstab musste nach Problemlösungen suchen.

Insgesamt konnten alle Bereiche des Krisenstabes ihre Aufgaben erfüllen. Aber es gilt: Nichts ist so gut, dass es nicht noch besser werden könnte. Daher ist die Aufforderung in der Überschrift mit einer Übung nicht erledigt: Nur ständige Übung macht den Meister!

Verfasser: Hans-Jürgen Bosch

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